Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften unserer Hochschule ist vom Rückgang der Studierendenzahlen besonders betroffen. Schon seit Jahren sinkt die Anzahl der StudienanfängerInnen beträchtlich. Diese Tatsache ist Anlass, dass sich der Fachbereichsrat und das Rektorat die Köpfe heiß diskutieren. Doch die hektischen Bemühungen wirken hilflos. Anstatt gemeinsam für den Studiengang einzutreten, pflegen die DiskutantInnen vor allem ihre Profilneurosen. Doch nur gemeinsam ist es möglich, tragfähige Konzepte für die Zukunft zu entwickeln.
Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften war als integrierter Studiengang nach dem Y-Modell geplant. Ziel war es, den Studierenden zu ermöglichen, zwischen verschiedenen Studienrichtungen nach eigenem Interesse zu wählen. Dies sollte auf Grundlage gemeinsamer Studienteile - vor allem im Grundstudium - geschehen. Doch mittlerweile ist aus dem Y-Modell ein H-Modell geworden, zum Nachteil für viele Studierende. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Schwerpunkten wurde durch diese Entwicklung erheblich erschwert. Dies hat das Studienangebot für zahlreiche Studieninteressierte unattraktiver gemacht.
Vor allem die Studienrichtung Volkswirtschaft ist in jüngster Zeit ins Gerede gekommen. Manche waren gar der Auffassung, die Studienrichtung vollständig zu schließen. Dabei ist gerade die Volkswirtschaft eine Wissenschaft, die dazu in der Lage ist, komplexe Problemstellungen zu erfassen und im interdisziplinären Austausch mit anderen gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen zu bearbeiten. Die Volkswirtschaftslehre bildet die Grundlage für zahlreiche Teilgebiete der Ökonomie, nimmt also eine vermittelnde Rolle zwischen den verschiedenen Bereichen ein.
Statt die ursprüngliche Konzeption weiterzuentwickeln geht es einem großen Teil der DozentInnen nur noch darum, möglichst eng umgrenzte Schmalspurstudiengänge zu planen (Wirtschaftsmathematik, -informatik, -recht), nicht zuletzt, um dem eigenen Steckenpferd nachgehen zu können. Gemeinsame Angebote jenseits der eigenen Scheuklappen bilden die Ausnahmen. Möglichkeiten zu interdisziplinären Projekten in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, vor allem im sozialwissenschaftlichen Bereich, werden weitgehend ignoriert. Dabei könnte gerade diese Zusammenarbeit, einen positiven Impuls für die Zukunft bewirken.
Auch nach mehr als 25 Jahren dauert der Streit zwischen ProfessorInnen mit a- und -b-Profil weiter an. Das behindert die Zusammenarbeit vor allem dann, wenn es um die Umsetzung von Studienreformen geht. Die Status-Unterschiede dieser Gruppen müssen überwunden werden. Es handelt sich in beiden Fällen um HochschullehrerInnen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, was aber keine Vor- oder Nachteile für eine der beiden Gruppen begründen kann.
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