Schlaglicht: Lehramt

Behler - nicht faul?

Die NRW-Schulministerin, die vor kurzem der brisanten Frage nachging: Hatte Schröder recht - alle LehrerInnen faule Säcke?, ist auch sonst nicht faul, wenn es darum geht, die Arbeits- und Studienbedingungen für (künftige) LehrerInnen zu verschlechtern. So kam sie auf die durchschlagende Idee, die Lehrdeputate für ReferedarInnen der Primarstufe einfach zu erhöhen, um sich der unangenehmen Pflicht der Neueinstellung von Lehrkräften zu entziehen. Mit dem Effekt, dass jetzt die ReferendarInnen selbst dafür sorgen müssen, ihre eigenen Berufschancen zu verschlechtern.

Zusätzliche Instrumente, die für ein hochselektives Schulsystem sorgen sollen, hält die Ministerin ebenfalls bereit. Neben exorbitanten Klassengrößen sollen großflächige Vergleiche der Abituraufgaben dafür sorgen, die Auslese zu verschärfen.

Die Krönung ministerieller Reformbemühungen ist allerdings, einem Teil der angehenden Lehrerinnen und Lehrern die zweite Phase ihrer Ausbildung - das Referendariat - vorzuenthalten. Dies hat nicht nur zur Folge, dass Prüfungs- und Konkurrenzdruck im Studium weiter wachsen, sondern auch, dass die Betroffenen nach mehreren Jahren Studium ohne formale Qualifikation auf der Straße stehen.

Schulstufen gleichbehandeln

Die Ablösung der schultypenbezogenen Lehramtsausbildung durch das schulstufenbezogene Studium war unter anderem von der Vorstellung getragen, dass die Hierarchie der Schulen überwunden werden und die Unterschiede zwischen den Schulstufen allein in inhaltlich gerechtfertigten Zielsetzungen bestehen sollten. Folge dieser Auffassung war es, dass die LehrerInnenbildung für Primarstufe und Sekundarstufe I von den Pädagogischen Hochschulen an die Gesamthochschulen und Universitäten verlagert wurde. Trotzdem besteht die Hierarchie weiter: Obwohl die Regelstudienzeit als Kriterium für eine angemessene Regelstudienzeit mehr als fragwürdig ist, ist sie Indiz für die ministerielle Einschätzung der Wertigkeit der Ausbildung. Aus der Regelstudienzeit leiten sich die "Wissenschaftlichkeit" der Studiengänge und Promotionsmöglichkeiten direkt nach dem Studium ab. Wir fordern daher, dass für alle Schulstufen gleiche Regelstudienzeiten von mindestens acht Semestern eingeführt werden, die gleichermaßen zur Promotion berechtigt.

Biologie und Sport

Um Interessierten ein breites Angebot der belegbaren Fächer anzubieten, ist es notwendig, wieder Studienmöglichkeiten in Biologie und Sport zu eröffnen. Gleiches gilt für den Ausbau des Fachs Musik/Sek. II. Gerade für eine Hochschule, deren Studierende überwiegend aus der Region kommen (und von denen manche auch künftig hier leben wollen), sind diese Fächer unverzichtbar, um einem Mangel an gut qualifiziertem Lehrpersonal zu vermeiden. Die Schließung des Faches Biologie vor einigen Jahren hat in dieser Hinsicht fatale Auswirkungen gehabt.

Immerhin haben das Primarstufenzentrum und die Gründung des Zentrums für Lehrerbildung Grundlagen für Verbesserungen in der LehrerInnenbildung geschaffen. Diese Bemühungen unterstützen wir mit Nachdruck.

Emanzipatorische Vorstellungen müssen wieder stärker in den Vordergrund pägagogischen Handelns gerückt werden. Diese wollen wir allen Plänen, die auf eine verstärkte Selektion in den Schulen hinauslaufen, entgegensetzen. Bildung darf kein Privileg sozial besser gesteller Bevölkerungsteile bleiben. Deshalb müssen die Bildungseinrichtungen allen offenstehen.

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