Geht es nach dem Willen der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Gabriele Behler, werden in den kommenden Jahren an den Hochschulen des Lands 2000 Stellen gestrichen. Statt die rigide Sparpolitik entschieden zurückzuweisen, vertritt der Rektor der Siegener Hochschule, Albert H. Walenta, in einem Interview mit der Westfälischen Rundschau (12.1.1999) die Auffassung, dass die Sparpläne Behlers tatsächlich Chancen für die Hochschulen bringen. Dabei betont Walenta, dass die Siegener Hochschule sich keine "Orchideenfächer" mehr leisten könne. Im Dunkeln lässt er aber, welche Fächer an unserer Hochschule damit gemeint sind. Die bisherige Auffassung, dass sich Wissenschaft und Forschung nicht ausschließlich nach den Interessen der Wirtschaft richten dürfen, ist damit Schnee von gestern. Somit besteht die Funktion von Wissenschaft nicht länger in der Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern hat ausschließlich deren Legitimation zum Ziel.
Nachdem sich die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmann (SPD) und ihr niedersächsischer Partei- und Ressortkollege Thomas Oppermann nicht auf ein Verbot von Studiengebühren einigen konnten bröckelt die sozialdemokratische Position, ein Verbot von Studiengebühren in das neue Hochschulrahmengesetz hineinzuschreiben. Der dort verabschiedete Beschluss zielte - gerade vor dem Hintergrund der Studierendenproteste - wohl nur darauf ab, Studierende als WählerInnen zu gewinnen. Auch Behler drückt sich um das heikle Thema herum: ìWenn es für die Studierenden eine bessere Finanzierung gäbe, könnte ich mir vorstellen, daß nach der Regelstudienzeit plus X Semester das Studium nicht mehr umsonst ist.î (Der Spiegel Nr. 2/1999) So wollen nun auch sozialdemokratische MinisterInnen dem Beispiel ihres baden-württembergischen Kollegen folgen, der vermeintlichen ìBummelstudentenî schon jetzt tief in die Tasche greift. Ein Großteil der Hochschulrektoren beklagt mittlerweile, dass man die Studierenden noch nicht zur Kasse bitte. Somit ist klar: Man kann sich auch in NRW nicht mehr darauf verlassen, dass studentische Interessen bei der Landesregierung gut aufgehoben sind.
Unter diesem Titel veranstaltete das Wissenschaftsministerium 1994 ein Symposium an der GH Siegen. Die damals zuständige Ministerin Anke Brunn lobte die Gesamthochschulen und deren innovatives Potential in Forschung und Lehre. Noch bei der zentralen Veranstaltung anlässlich des 25-jährigen Bestehens der fünf Gesamthochschulen des Landes in Essen hob der damalige Ministerpräsident Johannes Rau die großen Erfolge dieser Hochschulen beim Abbau von Bildungsbenachteiligungen hervor. Doch innerhalb von nur knapp zwei Jahren kommen die Epigonen zu folgender Einschätzung: ìDas Modell der Gesamthochschulen hat sich, das muß man deutlich sagen, bundesweit nicht durchgesetzt." (Ministerin Behler, in: Der Spiegel Nr. 2/11 99) Abgesehen davon, dass diese Einschätzung - betrachtet man die gegenwärtige Hochschullandschaft - zweifellos richtig ist, steht dahinter das Bild, dass sich Hochschulen ähnlich irgendwelchen Konsumgütern auf einem Markt durchzusetzen hätten. Die ursprünglichen politischen Ziele der Gesamthochschulen wie Erreichung von Chancengleichheit, Schaffung integrierter Studiengänge und verstärkter Theorie-/Praxis-Bezug sind nicht mehr gefragt.
ist damit klar. Hochschulen sollen zu möglichst preiswerten Konditionen Menschen ausbilden, die sich dies leisten können. Darüber hinaus gehende Vorstellungen gibt es nicht mehr. Da wir der Überzeugung sind, dass Bildung auch dazu beitragen muss, die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit zu fördern und die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch zu hinterfragen, stellen wir den oben beschriebenen Entwicklungen emanzipatorische Bildungskonzepte entgegen.