11.6.1999
Presseberichten zufolge hat das Rektorat der Hochschule auf der Sitzung des Kuratoriums der Hochschule gefordert, den Gültigkeitsbereich des Semestertickets für die Siegener Studierenden bis nach Köln auszudehnen. Rektor Walenta zur WR (8.6.1999): "Wir wollen den Studierenden die Möglichkeit bieten, zuhause zu wohnen und zur Uni zu fahren."
Hierzu stellt die DLL fest, dass Rektorat und Kuratorium für das Semesterticket gar nicht zuständig sind. Die Fahrerlaubnis für Studierende wurde nicht etwa seitens der Hochschule, sondern durch die Studierendenschaft mit den beteiligten Verkehrsträgern wie VWS, Deutsche Bahn und Verkehrsverbund Rhein-Main vertraglich vereinbart.
Eine Ausweitung des Tickets scheitert an allen gegenwärtigen Endpunkten daran, dass die dortigen Verkehrsträger in Verbünde eingebunden sind. Das sind der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), dessen Einzugsgebiet in Au/Sieg beginnt, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), dessen Tarifgebiet in Hagen-Hohenlimburg beginnt, und der Verkehrsverbund Rhein-Main im hessischen Grenzgebiet. Diese Verbünde haben aufgrund des geringen Fahrtenanteils nur geringes Interesse an Verhandlungen mit der Siegener Studierendenschaft. Die Kosten des Tickets würden bei einer weiteren räumlichen Ausdehnung explodieren, der Nutzen hingegen wäre zweifelhaft.
Hingegen haben die im Kuratorium der Hochschule vertretenen Honoratioren durchaus die Möglichkeit, die Verkehrsanbindung zu verbessern. So ist Landrat Nienhagen ebenso Kuratoriumsmitglied wie Oberkreisdirektor Forster. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist Mehrheitsaktionär der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), die für die hiesige katastrophale Situation im Öffentlichen Personennahverkehr in hohem Maße verantwortlich ist.
Im Kuratorium sitzen auch VertreterInnen der Stadt Siegen, deren auf den Autoverkehr fixierte Politik des Stadt-Zubetonierens ebenfalls einen erheblichen Anteil an der Verkehrsmisere hat.
Mit diesen Herrschaften könnte sich Rektor Walenta einmal im Sinne von Verbesserungen unterhalten, statt unrealistische Forderungen zu erheben, die außerhalb seiner Kompetenz liegen. Und er könnte seine politischen Freunde im derzeitigen AStA daran erinnern, dass sich das Semesterticket nicht von selbst verlängert, sondern dass hierzu Arbeit investiert werden muss. Der Vertrag mit der Bahn wäre Anfang des Monats um ein Haar gar nicht verlängert worden, hätte nicht die Opposition im Studierendenparlament Druck ausgeübt - der AStA hatte schlicht verschlafen, die Beitragsordnung ändern zu lassen.
Walenta will, dass Studierende aus entfernten Regionen weiter zu Hause wohnen und gleichzeitig in Siegen studieren können. Damit erweist er der Hochschule und der Stadt einen strukturpolitischen Bärendienst. Schon jetzt hat Siegen mit einer Hochschulstadt wenig gemein - von entsprechenden Ortsschildern abgesehen. Die Stadt ist für Studierende aus Ballungsgebieten und sogar aus kleineren Städten in höchstem Maße unattraktiv; mit ein Grund für sinkende Studierendenzahlen.
Eine studentische Kultur kann sich aber nur entwickeln, wenn möglichst viele Studierende vor Ort wohnen. Das würde nicht zuletzt die Steuereinnahmen der Stadt Siegen erhöhen und möglicherweise zu einem verbesserten Angebot vor Ort beitragen. Wären mehr Studierende Siegener BürgerInnen, könnten sie auf die verkrusteten Strukturen der Lokalpolitik stärkeren Einfluss nehmen - und vielleicht dazu beitragen, Siegen zu einer lebenswerten, attraktiven Stadt jenseits gigantomanischer Projekte wie HTS und City-Galerie zu machen.