AStA-Pressemitteilung: Hochschulrektorenkonferenz tagt am 24. bis 26. April in Siegen

Siegen. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hält vom 24. bis 26. April anläßlich des 25jährigen Bestehens der hiesigen Gesamthochschule ihre Jahrestagung in Siegen ab. Hierzu erklärt der AStA:

Wir begrüßen die Ausrichtung der HRK-Jahrestagung in Siegen. Der Veranstaltungsankündigung entnehmen wir, daß die Konferenz unter dem Titel "Hochschule als Verantwortungsgemeinschaft" stehen soll. Wir erwarten, daß die Rektoren der Hochschulen hierunter auch ihre gesellschaftliche Verantwortung fassen und sich von solchen Konzepten verabschieden, die Studium, Lehre und Forschung lediglich unter dem Aspekt wirtschaftlicher Vernutzbarkeit und dem Blickwinkel fiskalischer Knappheit sehen und reformieren wollen. Schließlich handelt es sich um eine Veranstaltung, der weithin Beachtung geschenkt wird und deren Ergebnisse nicht nur die ständischen Angelegenheiten der ProfessorInnenschaft tangieren, sondern letztendlich alle Hochschulen, deren Mitglieder und Angehörige.

Leider hat die HRK mit der Wahl des konservativen Hochschulpräsidenten und Bildungspolitikers Klaus Landfried aus Kaiserslautern zum Präsidenten der Konferenz ein Signal in eine ganz andere Richtung gesetzt.

Wir möchten die TeilnehmerInnen der HRK und insbesondere den zur Eröffnungsveranstaltung geladenen Bundeszukunftsminister Jürgen Rüttgers daran erinnern, daß die Jahrestagung aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Gesamthochschule Siegen hier ausgerichtet wird. Diese Hochschule stand seinerzeit für die Öffnung und den Ausbau des Bildungswesens, für die Errichtung von Hochschulen in bildungsfernen und strukturschwachen Regionen, für Demokratisierung und Chancengleichheit.

Diese Zielsetzungen sehen wir angesichts der heutigen Diskussion in Gefahr. Heute geht es nurmehr darum, Studium und Hochschulbetrieb zu effektivieren und zu verschlanken. Die angeblich überlangen Studienzeiten in der BRD scheinen ein größeres Problem darzustellen als die Tatsache, daß der Anteil der StudienanfängerInnen sozial schwacher Herkunft seit über 15 Jahren stark rückläufig ist, daß in der alten BRD nur noch rund 25 Prozent der Studierenden Ausbildungsförderung nach BAföG erhalten und diese nun auch noch mit Verzinsungskonzepten konfrontiert sind.

In Berlin werden bereits Studiengebühren in Höhe von 100,- DM pro Semester erhoben, die als "Einschreibe- und Verwaltungsgebühr" verklausuliert sind. Ähnlich geht auch das Bundesland Baden-Württemberg vor - dort werden die geplanten Studiengebühren als "Bildungsgutscheinsystem" getarnt, ganz in der Art von "Zahnbonusheft" und ähnlicher Euphemismen.

Bundesbildungsminister Rüttgers plant den Wettbewerb der Hochschulen um die Studierenden und den Wettbewerb der Studierenden um die Hochschulen - Abitur und Fachhochschulreife sollen nicht länger universell gültige Eintrittskarten zum Studium sein. Die Hochschulen sollen vielmehr das Abiturzeugnis der Bewerber gewichten und durch Eingangsprüfungen und Eignungstests die AbbrecherInnenquote senken. Auf die naheliegendere Idee, die Hochschulen mit angemessenen Finanzmitteln auszustatten, um die Probleme zu bekämpfen, die zum Studienabbruch führen, kommt Herr Rüttgers offenbar nicht.

Immer mehr Studierende werden zum Zuerwerb über Nebenjobs gezwungen und können so eigentlich nur noch in Teilzeit. Dieses Phänomen will der Minister beseitigen, indem er Zwangsanmeldungen zur Prüfung und Zwangsexmatrikulationen im novellierten Hochschulrahmengesetz verankern will.

Hochschulen und ihre Fachbereiche und Betriebseinheiten werden mit quantitativen Kennzahlverfahren und durch die Umwandlung in "profit centers", aus denen sich Staat und Gesellschaft immer mehr zurückziehen, dem allgemeinen Wettbewerb unterworfen. Sie sollen, folgt man der herrschenden Meinung, nicht mehr in sozialer Verantwortung, sondern nach marktökonomischen Gesichtspunkten arbeiten.

Um die letzten Überbleibsel akademischer Freiheit und sozialen Besitzstandes in Erinnerung zu rufen, findet eine kleine Kundgebung statt am Donnerstag, 24. April ab 15.30 Uhr vor dem Tagungsort der Versammlung in der Siegerlandhalle, Koblenzer Straße, Siegen. Hierzu rufen der AStA und verschiedene Fachschaftsräte der Gesamthochschule Siegen auf. Den Aufruf fügen wir als Textausgabe zu Ihrer Kenntnisnahme bei.

Wir möchten Sie ferner zur Pressekonferenz am Donnerstag, 24. April 1997 um 11.00 Uhr in das AStA-Büro einladen. Es befindet sich im Gebäudekomplex Adolf-Reichwein-Str. in Siegen-Weidenau, 2. Etage des Bibliotheksgebäudes, Raum AR-H 215.