Passt bloß auf!

"Zimmer frei! Bedingungen: männlich, keine Angst vor Korporierten" - Mit wem wollt Ihr Euch denn da einlassen? Wenn zu Semesterbeginn solche Wohnungsangebote auftauchen, steckt anderes dahinter als eine nette WG. Das gilt auch dann, wenn außer "Gemeinschaft" und "Freundschaft" auf dem Plakat nicht viel draufsteht. Gefasst machen müsst Ihr Euch auf anachronistische Uniformen und Rituale, zumal gesoffen wird mit Präsidium, Silentium, Colloquium und strikt nach Biercomment. Manchmal pflegt Mann auch mit scharfen Waffen auf sich einzuschlagen - sofern Mann nicht dazu "verpflichtet wurde, im Nebenzimmer die Couleurdamen zu bespaßen".

"Wer träumt nicht von lebenslanger Freundschaft?" Harmlose Saufbrüder, etwas sentimental, möchte man meinen. Doch Vorsicht: Diese Rituale funktionieren, sie konstituieren den Männerbund, dessen autoritären und hierarchischen Charakter Euch der Fuxmajor in Eurer Probezeit schon selbstverständlich werden lassen wird. Und selbst wenn das mal scheitern sollte, was selten genug vorkommt, können die Alten Herren eine unbequeme Aktivitas immer noch finanziell oder moralisch unter Druck setzen, ja sie notfalls suspendieren.

"Wissen, wie der Hase läuft" Mit diesem Slogan verspricht ein örtliches Corps Hilfe zu Studium und Karriere, Persönlichkeits- und politische Bildung. Mag sein - doch kann man das anderswo auch ohne elitären Dünkel und Drill zur Unselbständigkeit haben, zumal an einer Gesamthochschule. Ganz zu schweigen vom Vaterlandsmythos, den alle Siegener Verbindungen fördern, und von militaristischen Tendenzen, die hier und da immer mal wieder durchbrechen.

"Urväter Art sind wir entsprossen, wehrhafte, wahrhafte Walhallsgenossen" So heisst es im "Clausthaler Mitternachtsschrei", und der ertönt bei Kerzenschein auch schon mal "in solcher Lautstärke und Originalität der Stimmführung", dass der Vorstandstisch von der Bühne fliegt. Der ist toll, den muss man einfach mal erlebt haben, meint ausgerechnet ein langjähriger Charge desjenigen Siegener Bundes, der sich gern als "einziger liberaler und moderner" hinstellt und mit zwei Frauen im Vorstand prahlt. Weit ist es damit ohnehin nicht her, auch in seinem jüngst neu gewählten Verband spielen die Frauen die übliche Rolle um Kuchen und Blumen und trauern manche Männer anscheinend Kaisers Zeiten hinterher. Macht Euch keine Illusionen, Fortschritt kann ja so langsam sein.

Mensuren, um "Wehrhaftigkeit zu demonstrieren" - Da diese Dinge "liberal und modern" genannt werden, darf sich niemanden mehr wundern, wie es bei einem anderen Bund zugeht: Mitarbeit an einer Festschrift mit Eisernem Kreuz und gepanzertem Waffenjüngling mit Hitlerfrisur auf dem Titelbild, Deutschlandlied in allen drei Strophen auf dem Stiftungsfest, Vortragsveranstaltung mit einem REP-Landtagskandidaten auf dem Haus. Klar, lautet doch ein zugehöriger Werbespruch: "Nimm Dir Zeit und lerne uns kennen. Meine Freunde und ich warten schon die ganze Zeit auf Dich. Dir wird es bestimmt gefallen. Euer Fritzchen."

Zugegeben, das war etwas polemisch...

Wenn Ihr Euch ausführlicher, präziser, differenzierter, mit Fussnoten und Literaturhinweisen über Verbindungen informieren wollt, wendet Euch an die Antifa-AG und fragt nach der Flugblattreihe "Aspekte des Verbindungsunwesens" und der Zeitung "Burschen Raus!" Oder geht zum Horst in die Bücherkiste (Bismarckstrasse, direkt an der Haardter Brücke) und kauft Euch das Buch "Blut und Paukboden" von Dietrich Heither u.a.

Ihr seid auch bei unseren wöchentlichen Treffen donnerstags abends ab sechs am Raum AR-H 112 herzlich willkommen. Wir recherchieren und thematisieren sexistische, rassistische und nationalistische Umtriebe und kritisieren deren Querverbindungen zu konservativen und liberalen kapitalistischen Kreisen. Ferner beobachten wir gemeinsam mit anderen Antifa-Gruppen die militante Neonazi-Szene in Südwestfalen.

Eure Antifa AG