notizen zum abschlussbericht der auditoren

(Ingos Anmerkungen zum CRE-Audit der Europäischen Hochschulrektorenkonferenz)

ich gehe hier nur auf punkte ein, die in der zusammenfassung fehlen. welche das sind, liefert aussagen über wertungen der auditoren bezüglich wichtigkeit.

1 zusammenfassung dieser notizen

1.1 hinweise auf das weltbild der auditoren

sie neigen dazu, hochschule und hochschulleitung zu verwechseln und verstehen das audit als eine hilfe für reform von oben

sie betrachten arbeit rein funktional und keinesfalls emanzipatorisch

sie überbetonen berufsbildung, arbeitsmarkt und vertikale differenzierung und kommen auf freiheit, gleichheit und brüderlichkeit (heute würde man sagen "soziales") erst beim zweiten nachdenken

studis sind nicht allzu wichtig und werden auch schon mal vergessen. vor allem aber sind sie unselbstständige werkstücke, widerspenstig sofern faul, überhaupt eine quelle von unsicherheit

1.2 kritik an meinungen der auditoren

desinteresse an gender issues ist auch bei rektoren abstoßend

studentische und gewerkschaftliche kritik wird ignoriert

unmögliche situation der doktoranden, abhängigkeit der studierenden von ihren prüfern und ignoranz studentischer veranstaltungskritik wird trotzdem erkannt und benannt. was doktoranden und prüferbezogenheit angeht, sind humanitäre motive zu vermuten, was veranstaltungskritik angeht, funktionale. das heißt nicht, dass studierende ernstgenommen werden, sondern nur deren meinungen über bestimmte lehre - studierende als temporäre bundesgenossInnen im kampf des führers gegen faule profs?

1.3 weitere wichtige berechtigte kritik der auditoren, die in der zusammenfassung unter den tisch fällt

defizite in der strukturellen verbindung von forschung und lehre - projektstudium

fehlende betreuung externer praktika (außer aes und lehramt, versteht sich)

2 ausführliche form dieser notizen

format: p(seite nr) §(abschnitt nr) (übersetzung) Gedankenstrich

2.1 hinweise auf das weltbild der auditoren

2.1.1

das selbstverständnis der auditoren

p2 §1 die CRE, die europäische vereinigung der universitäten - immer schön langsam. rektorenkonferenz ist rektoren bleibt rektoren. basta

p2 §1 es soll ein werkzeug für organisations-führer sein, die reformieren wollen - sic! reform von oben zum selbermachen, für leute, die wissen, was sie wollen

2.1.2 ihr bild von arbeit

p6 §6 strenge regeln, die jedem akademischen rang ein festgelegtes lehrdeputat zuordnen, verhindern die differenzierte entwicklung von fähigkeiten in lehre und forschung und die anpassung des personaleinsatzes an lehr- und forschungsbedarf auf fachbereichsebene - ein falscher und gefährlicher standpunkt: rein funktionale betrachtungsweise von arbeit

2.1.3 ihr bild von studiumreform im geiste der gh

p8 §8 reformziele: 1. berufsausbildung - massive übertreibung. 3. verbindung von theorie und praxis, das ist der punkt

p8 §8 reformziele: 2. gestufte abschlüsse - nicht ganz. vereinfachter hochschulzugang, das ist der punkt. erstens geht es hier nicht um bachelor/master grade, sondern um forschung und anwendung, zweitens geht es nicht um arbeitsmarkt, sondern um lebenschancen. nicht die studis, nicht soziale fragen vergessen

p8 §8 gh verbindet humboldtsche tradition mit breiteren zugangsmöglichkeiten für studierende aus allen schichten, insbesondere aus familien ohne akademische tradition - warum nicht gleich so

2.1.4 ihr bild von studis

p5 §5 studierende mit abitur können an jedem kurs teilnehmen, selbst wenn ihre leistungen in der sek2 in relevanten fächern anzeigen, daß sie eigentlich nachhilfe brauchten - passiver blick auf das studium, eigenverantwortung unvorstellbar

p7 §7 von oben gesehen macht das land vorgaben für studien- und prüfungsordnungen, von unten gesehen, legt jeder professor den inhalt seiner lehrveranstaltungen persönlich fest - nicht die studis vergessen

p11 §11a) creating scientific nachwuchs - keine besonders glückliche ausdrucksweise. "förderung" hätte deutlich gemacht, dass es um menschen und bildung geht

p12 §11b) möglicherweise problematische studierende können abgeneigt sein, freiwillig zu beratungen zu kommen - wer ein problem hat, kümmert sich drum. ob sie oder er eins hat, entscheidet ja wohl sie oder er. die formulierung klingt, als ob gewisse studis nicht probleme haben, sondern sind

p12 §11b) die routinemäßige überprüfung von studienfortschritten durch die fachbereiche wird durch datenschutzbestimmungen behindert - das ist ja wohl nicht zu fassen

2.2 meinungen, kritik, empfehlungen der auditoren

2.2.1 zur politik im allgemeinen

p6 §6 unserer meinung nach stärkt das fehlen von anreizen zur qualitätsverbesserung in der personalentwicklung den ohnehin schon starken konservatismus der deutschen universitäten im allgemeinen - verwunderung: wie kommt denn die bemerkung hierhin? oder geht es etwa am ende nur um eine neoliberale ablehnung von konservatismus

p13 §11c) eine politik der gleichberechtigung im bezug auf geschlecht und andere eigenschaften ist an der gh üblich. während wir zugeben, dass die ergebnisse noch viel zu wünschen übrig lassen, in siegen wie an anderen hochschulen, haben wir auditoren nirgends irgendeinen hinweis auf fehlende chancen in den fben bemerkt - andere eigenschaften; ihr meint wohl raucher/nichtraucher? immer schön blabla. hier ist kein problem, aber es ist auch noch nicht gelöst? hübscher widerspruch. klar, dass desinteressierte männer nix merken

2.2.2 zum studium

übrigens fehlen diese punkte alle in der zusammenfassung - warum wohl, und warum nur die

p9 §8 beinahe einigkeit unter studierenden gesprächspartnern für gh-konzept - ok

p9 §9 keine beschwerden über formale beteiligung der studierenden an entscheidungsprozessen - nicht zugehört

p9 §9 studentische kritik daran, dass studierende ihre politischen chancen nicht genügend nutzen - ok

p11 §11a) die einzelnen professoren ernennen doktoranden persönlich, ohne ein wirklich offenes bewerbungsverfahren, ohne kollegiale beteiligung oder eine absicherung durch verfahrensrichtlinien. die folge ist eine sehr hohe hausberufungs-quote auf dieser ebene... in einigen fachbereichen werden doktoranden eigentlich für lehr- und assistenzaufgaben eingestellt, was bedeutet, dass sie die forschung für ihre dissertation ausserhalb der regulären arbeitszeit machen müssen. dennoch waren doktoranden, die wir trafen, im allgemeinen mit ihren arbeitsbedingungen und der möglichkeit, ihre arbeit in 5 bis 7 jahren abzuschliessen, nicht unzufrieden (zugegebenermassen bezieht sich das auf die verbliebenen, nicht die abbrecher) - eine sehr wichtige und umfangreiche kritik, die in der zusammenfassung völlig fehlt. was die unzufriedenheit betrifft, haben sie mal wieder nicht zuhören (wollen)

p11f §11b) wir waren beeindruckt vom sehr gut entwickelten system der studentischen selbstverwaltung and den zahlreichen mitteln zur sicherstellung ihres wohlergehens. wir haben einige sehr wertvolle maßnahmen zur verbesserung der qualität der lehre, nämlich mentoren- und tutorenprogramme, bemerkt und haben keinen grund zur annahme, dass die studierenden im allgemeinen mit ihrer ausbildung unzufrieden seien - kein wort davon in der zusammenfassung

p12 §11b) - verwirrung in bezug auf das qdl-programm. das thema scheint nicht sonderlich zu interessieren, sonst wäre nachgefragt worden, und jeder hätte sofort erklärt, dass sich um dieses programm wegen seiner zumeist fragwürdigen, bürokratischen ansätze die leute nur kümmern, wenn sie müssen

p12 §11b) selbstverständlich ist die beteiligung von studierenden sehr wichtig: schließlich ist lehre eine der hauptaufgaben einer universität. studentische veranstaltungskritik scheint für die inhaltliche und didaktische gestaltung von lehrveranstaltungen keine große rolle zu spielen... einige studierende haben das gefühl, dass offenheit und kritik ihre examenschancen gefährden könnten. sie hängen in dieser hinsicht sehr von einzelnen professoren ab, wie wir in zahlreichen fachbereichen bemerkten; lernen findet eher prüferbezogen als fachbezogen statt. der einzige ausweg für studierende ist es die klage, ein recht drastischer schritt, der dennoch gelegentlich getan wird, oder der zumindest von den professoren als bedrohung empfunden wird. auch das fehlen von anreizen für und sanktionen gegen professoren zur verbesserung der qualität ihrer lehre und der gruppendruck unter ihnen, sich auf die forschung zu konzentrieren, behindern fortschritte. änderungen von lehrinhalten hängen sehr vom persönlichen interesse einzelner akademiker ab. wir empfehlen der gh, internationale vorbilder zu untersuchen, um in so heiklen situationen weiterzukommen. auf der haben-seite ist zu verbuchen, dass ein arbeitskreis über hochschuldidaktik 1995 mehr lehrende als erwartet angezogen hat, und deshalb mit recht als ein weiterzuführendes projekt betrachtet wird - kein wort dazu in der zusammenfassung

p13 §11b) die auditoren waren beeindruckt, wie den lehramtsstudierenden in fb2 durch die einrichtung des primarstufenzentrums und seines didakik-workshops ein zuhause geschaffen wurde - ok

p13 §11b) die verbindung zwischen lehre und forschung ist eines der hauptanliegen der humboldtschen tradition. wir haben den eindruck, dass fortgeschrittene studierende davon profitieren, z.b. durch die teilnahme an forschungsprojekten als studentische hilfskräfte. wir haben aber nicht bemerkt, dass diese verbindung strukturell stark wäre, wie sie es z.b. durch lehrlabore sein könnte - fehlt in der zusammenfassung

p13 §11b) die verbindung zwischen theorie und praxis, ein ziel des gh-konzepts, wird formal durch industriepraktika oder praxissemester erreicht. vorgeschrieben ist die aber wohl nur in den fachhochschulstudiengängen und in den integrierten studiengängen der fb 11 & 12. schlimmer noch, es handelt sich um eine verpflichtung, aber nicht um eine ins studium eingebundene lehrveranstaltung; die studierenden sind allein verantwortlich, diese verpflichtung zu erfüllen, und eine betreuung durch hochschulpersonal findet nicht statt - fehlt in der zusammenfassung

2.2.3 zum management

p10 §10 in der selbstkritik angeführte hochschulweite entwicklungspläne sind nicht umgesetzt - kritik, die in der zusammenfassung fehlt

p10 §10 mittelverteilung ist nicht in einen zyklus von planung und kontrolle eingebettet. nur unbedeutender teil wird nach leistung verteilt - kritik, die in der zusammenfassung fehlt

p13 §11c) die bloße tatsache, dass drei vertreterInnen von mit der hochschule kooperierenden unternehmen kurzfristig eingeladen werden konnten, beweist bereits die guten beziehungen zwischen fachbereich und wirtschaft - eine der wenigen klar lobenden bemerkungen. fehlt zu recht in der zusammenfassung, ist nämlich nicht so wichtig ;-). die auditoren haben's wohl eher weggelassen, weil diese beziehungen nicht zu den verdiensten von rektorat oder zentralem qualitätsmanagement gehören :-(