Befreiung der Verfolgten des Nationalsozialismus, keine Befreiung von faschistischer Ideologie
Heute feiern wir den 50. Jahrestag der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft. Vor über sechzig Jahren hat mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung eine faschistische Regierung gewählt. Die überwältigende Mehrheit hat den Faschismus mit Ordnungsliebe und disziplinierter Untertänigkeit getragen oder in Perfektion nach bestem Gewissen unterstützt. Dabei stellt sich die Frage, warum der Fachismus eine so breite Basis hatte, und was mit den Inhalten faschistischer Ideologie nach der sogenannten Stunde Null geschah.
Heute erkennen wir mehr denn je, daß Kontinuitäten faschistischer Ideologie in ökonomischer und politischer, in institutioneller und kultureller Hinsicht noch immer das Gesellschafts-bewußtsein prägen.
Im Nationalsozialismus hat der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung die Ausbeutungs- und Vernichtungsfeldzüge nicht nur bereitwillig mitgetragen, sondern darüber hinaus die Kriterien, nach denen Menschen ausgegrenzt und schließlich vernichtet wurden, aus eigenem Antrieb verschärft. Diese Menschen haben mit ihren Feindbildern vom "Juden", vom "Zigeuner", vom "Schwulen", vom "Tagedieb", vom "Polacken" und vom"Bolschewisten" eine Politik unterstützt und vorangetrieben, die ihre letzte Konsequenz im 2. Weltkrieg und in den Vernichtungslagern gefunden hat.
Die völkische Ideologie brauchte von den Nationalsozialisten nur aufgegriffen und im Schulterschluß mit dem deutschen Kapital konsequent umgesetzt werden. Sie erlebt heute im souveränen Deutschland, wo Staatsangehörigkeit - im Gegensatz zu nahezu der gesamten restlichen Welt - immer noch über die Blutzugehörigkeit und nicht über den Geburtsort bestimmt wird, eine Renaissance in modifizierter Form mit modernisierten Feindbildern. Doch dabei stört noch immer die historische Entwicklung der deutschen Identität bis 1945 und ihre Folgen. Deswegen soll die Geschichte des 8. Mai 1945 umgeschrieben und neu bewertet werden:
So wurde das Ziel des Historikersteites, den Nationalsozialismus durch Geschichts-revisionismus zu rehabilitieren, konsequent weiterverfolgt. Nach dem Kniefall von Kohl vor den Gräbern von SS-Soldaten in Bitburg, der von Reagen unter Vorbehalt mitgetragen wurde, hat ein Kapitel in der deutschen Geschichtsschreibung begonnen, das die Täter des Vernichtungskrieges und des Holocausts zu Opfern wandelt. Mit der Umwidmung der Neuen Wache in Berlin zur "nationalen Gedenkstätte der Opfer des 2. Weltkriegs" wurden Täter Opfern gleichgesetzt und die Gegner NS-Deutschlands als Täter eingeordnet. Fünf Jahre nach der "Wiedervereinigung" soll nun ein endgültiger Schlußstrich gezogen werden: Mit der Befreiung des deutschen Volkes geht auch die Befreiung von der NS-Vergangenheit und der Nachkriegsordnung einher, so daß einer weiteren Rekonstruktion der deutschen Identität nichts mehr im Wege steht.
Der 8. Mai darf nicht von denen instrumentalisiert werden, die sich mit der deutschen Geschichte versöhnen wollen, um ihre Interessen mit dem Rückgriff auf nationalistische und völkische Ideologie durchzusetzen. Der 8. Mai ist der Tag der Zerschlagung Nazi-Deutschlands und der Tag der Befreiung der Verfolgten des Nationalsozialismus.
"Wir schwören vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung."
aus dem Schwur von Buchenwald vom 19.April 1945
V. i. S. d. P: ANTIFA AG der GH-Siegen