Veranstaltungswoche "50 Jahre Befreiung vom Faschismus"

Eröffnung am Montag, dem 8. Mai 1995 im Mensafoyer der Gesamthochschule Siegen

Im Namen des AStA möchte ich Sie zur Eröffnung der Veranstaltungswoche "50 Jahre Befreiung vom Faschismus - Hochschule in gesellschaftlicher Verantwortung", die wir gemeinsam mit der Hochschule organisiert haben, begrüßen. Ich freue mich, daß heute so viele Angehörige der Hochschule zusammengekommen sind, um der Befreiung vom Faschismus zu gedenken.

Die Auseinandersetzungen der letzten Wochen haben gezeigt, daß der Kampf um die Köpfe tobt und die eine wie die andere Seite versucht, das historische Datum auf dem Hintergrund aktuellen politischen Wollens zu besetzen. Hier ist eine kritische Wissenschaft gefragt, die eine differenzierte Interpretation des Tages anbietet. Hierzu sollen die Veranstaltungen in dieser Woche beitragen.

Doch zu allererst denken wir an die Opfer des deutschen Faschismus.

Wir stehen heute hier und feiern die Befreiung der Überlebenden aus diesen Gruppen und das Ende des Nationalsozialismus. Was wir nicht feiern können, ist eine Befreiung der Deutschen aus eigener Kraft. Die große Mehrheit der Deutschen stand bis zum Schluß hinter ihrem Führer und der faschstischen Ideologie. Deutschland mußte durch einen langen, kräftezehrenden Krieg vom Nationalsozialismus befreit werden.

Wir feiern auch die militärische Befreiung von der Bedohung durch deutsche Waffen, aber nicht jedes Militär, nicht den Krieg an sich zur Lösung von Problemen. Vor allem feiern wir nicht irgendwelche zurückgewonnene deutsche Macht, nicht die Drohung, daß Deutsche wieder militärische Gewalt anwenden können.