Die UL-AES geht mittlerweile ins dritte Jahr ihrer hochschulpolitischen Tätigkeit. In den vergangenen Jahren ging es uns immer darum, hochschul- und studiengangsbezogene Themen mit allgemeinpolitischen Fragestellungen zu verknüpfen und gemeinsam zu bearbeiten. Das liegt daran, daß wir die Hochschule nicht als einen Elfenbeinturm betrachten, sondern auch über unseren akademischen Tellerrand hinaus schauen wollen. Daraus ergaben und ergeben sich für uns folgende Konsequenzen:
Da der Modellstudiengang AES bald ausläuft, um in einen Regelstudiengang umgewandelt zu werden, werden wir in Zukunft die studentischen Interessen noch offensiver in die Gremien einbringen müssen. Entgegen den Vorstellungen der Landesregierung stehen wir weiterhin für ein Studium, in dem jedE StudentIn eigene Schwerpunkte setzen und selbstbestimmt studieren kann.
Deshalb wehren wir uns gegen:
Wir engagieren uns
Da der BaföG-Satz sich schon lange nicht mehr nach den tatsächlichen Lebenshaltungskosten richtet, gehören Studentinnen und Studenten mittlerweile zu den sozial schwachen Gruppen in unserer Gesellschaft. Studieren ohne nebenher arbeiten zu müssen, ist nur den wenigsten möglich. Doch dies sollte uns nicht den Blick gegenüber anderen, in die Außenseiterrolle gedrängten Bevölkerungsgruppen verschließen. Seit Jahren wird von staatlicher Seite der Sozialabbau weiter forciert. SozialhilfeempfängerInnen und Obdachlose werden als "Sozialschmarotzer" diffamiert, Arbeitslose ausgegrenzt. Die sogenannte "Neue Armut" ist schon lange nicht mehr neu. Auch nicht neu ist die Absicht der politisch Verantwortlichen, die Armen zu stigmatisieren und dahin zu stellen, wo man sie haben will -nämlich an den Rand.
Die von den aktuellen Entwicklungen am schwersten Betroffenen sind hierbei die Frauen. Es ist kein Zufall, daß Abtreibung nach wie vor ein strafbares Vergehen ist. Keine Frau soll in dieser Gesellschaft das Recht haben, über ihren eigenen Körper zu bestimmen. Noch immer entscheiden Männer, was frau zu fühlen, zu wollen und zu tun hat. Es wird immer deutlicher gesagt, daß Frauen Kinder aufziehen und nicht berufstätig sein sollen, um den Männern "ihre" Arbeitsplätze nicht zu nehmen. Arbeitende Mütter werden als Rabenmütter abgestempelt, weil sie sich angeblich nicht um ihre Kinder kümmern. Sie haben gefälligst zu Hause zu bleiben und sich den Männern zu unterwerfen. Wenn sie sich von ihren Männern trennen, sind sie auf Sozialhilfe angewiesen und werden zu "Sozialschmarotzerinnen".
Wenn mensch sich diesen Trend in der Gesellschaft anschaut, entpuppt sich das Gefasel von Gleichberechtigung und Gleichstellung als Märchen.
Die Gleichstellungsbeauftragten dienen lediglich als Vorwand - die HERRschenden machen weiter wie bisher. Sie haben keinerlei Durchsetzungsmöglichkeiten, ihre Vorschläge werden - wenn überhaupt gehört - nicht beachtet.
Noch immer werden Frauen im Beruf benachteiligt, werden Frauen in gesellschaftlichen Zusammenhängen zum Objekt gemacht, ist Vergewaltigung in der Ehe straffrei und werden Frauen in Vergewaltigungsprozessen zu Täterinnen gemacht. Weiterhin stehen Männerseilschaften jeder wirklichen Veränderung entgegen. Das Patriarchat zu bekämpfen, bedeutet für uns nicht, uns mit Scheinzugeständnissen (Quotenregelung, Gleichstellungsbeauftragten, ...) abspeisen zu lassen, sondern die patriarchalen Strukturen zu zerschlagen.
Auch im letzten Jahr wurden AusländerInnen Opfer rassistischer Gewalt. Gleichzeitig werden Flüchtlinge an deutschen Grenzen zurückgewiesen und in Ihre Herkunftsländer zurückgeschickt, wo sie weiterhin Krieg, Armut und politischer Verfolgung ausgesetzt sind. Doppelte Staatsbürgerschaft und Erleichterung von Einbürgerungen sind dagegen längst vom Tisch.
Einen wesentlichen Teil unserer Arbeit sehen wir darin, über diese Tatsachen aufzuklären und zu informieren. So haben wir, gemeinsam mit anderen Gruppen, das Buch "Rechtsextremismus im Siegerland" erstellt und herausgegeben.
... und weil Sozialarbeit mehr sein muß als der Reparaturbetrieb des Staates.
Gerade wir als AES-StudentInnen müssen über unseren Tellerrand hinausschauen und uns mit politischen und sozialen Problemfeldern innerhalb der Gesellschaft auseinandersetzen. Hierzu arbeiten wir u.a mit folgenden Gruppierungen zusammen: Antifa AG, Kulturreferat, Projekt Archiv - Kollektives Gedächtnis, VEB, AusländerInnenhilfe, AGAR (Arbeitsgemeinschaft gegen AusländerInnenfeindlichkeit und Rassismus), SJD-Die Falken, AK Kurdistan-Solidarität, Studierendenvertretung des Siegerlandkollegs, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.