Hallo ErstsemesterIn,
wir begrüßen Euch recht herzlich auf dem Bildungstanker Hochschule und wünschen euch alles Gute und viel Spaß im lustigen StudentInnenleben.
Wer wir sind, werdet ihr euch berechtigterweise fragen. Naja, um im Bild zu bleiben: Wenn die Hochschule ein Schiff ist, sind wir die Piraten und segeln unter der Flagge DLL. Das Kürzel steht für Deine LieblingsListe, Die Linken Lügner oder Dekadent-Laues-Leben, je nach Belieben und politischer Orientierung.
Wir selber verstehen uns als ein Zusammenschluß von StudentInnen, der die Zustände an dieser Hochschule und in dieser Gesellschaft radikal in Frage stellt und zu ändern versucht. Wir sind deshalb auch kein homogener Block, sondern kommen aus unterschiedlichen weltanschaulichen Ecken von A wie Autonomer über K wie Katholik (irischer Flügel) bis Z wie Zenbuddhistischer Motorradfahrer. Wir streiten uns gern und viel, und haben vor nichts anderem Angst als das uns der Himmel auf den Kopf fällt.
Na prima, werdet Ihr denken. Peppige Einleitung, flott dumm `rumgelabert und nix dahinter: typischer Politmist. Und weil ihr wahrscheinlich zu dieser unendlich politikverdrossenen Jugend gehört, seid ihr versucht, das Lesen hier einzustellen. Aber halt! Da haben wir nämlich schon eins gemeinsam: Keinen Bock mehr sich verarschen zu lassen. Kein Vertrauen zu einem System, das darauf baut, daß alle ihre Stimme abgeben und schweigen. Wir sind laut und unausstehlich, wollen unsere Sache selbst bestimmen und nicht von irgendwelchen StellvertreterInnen regeln lassen.
Damit ist auch schon ein Grundprinzip unserer Organisiertheit genannt: Die Selbstorganisation. Das heißt zunächst einmal nichts anderes, als daß wir nicht von irgendwem gegründet worden sind, gefördert oder angeleitet werden. Darüber heißt Selbstorganisation aber auch, daß wir uns mit anderen Gruppen immer nur punktuell zusammentun, etwa um gemeinsame Aktionen oder Veranstaltungen durchzuführen, aber uns nicht in Strukturen einbinden lassen, die unsere Selbstbestimmtheit antasten. Es gibt natürlich auch Gruppen, die ein ähnliches Selbstverständnis haben und mit denen wir längerfristig zusammenarbeiten. Dazu gehört u.a. der VEB, das unabhängiges Kulturzentrum in der Stadt.
Aus unserer Selbstbestimmtheit als Gruppe folgt natürlich auch die Selbstbestimmtheit aller Gruppenmitglieder. Deshalb ist das Konsensprinzip ein weiterer, wichtiger Bestandteil unserer Organisationsgrundlagen. Wir verhandeln so lange um Positionen, bis alle mit der Gruppenposition leben können. Deshalb werden auch alle Entscheidungen auf dem wöchentlich stattfindenden Plenum getroffen.
Ja nun, Selbstverdummung und Nonsensprinzip sind als Strukturprinzipien ja durchaus lobenswert, aber wie Gevatter Lenin schon treffend bemerkte, nutzt die beste Struktur ohne Inhalte überhaupt nichts. Selbstredend gibt es auch hier einige Grundsätzlichkeiten.
Wir sind eine Gruppe von StudentInnen. Diese Rolle ist es, die unser Leben dominiert. Die Hochschule ist unser Lebensraum und den wollen wir gestalten. Hier sind wir aktiv. Aber genauso wie es weder Hochschule noch Wissenschaft als von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft losgelösten Sozialraum gibt, können wir zur gesellschaftlichen Situation schweigen. Wir gehen sogar davon aus, daß wir, StudentInnen durch die relative Exklusivität unserer sozialen Situation (Wissenschaftlichkeit ohne die Zwänge des Wissenschaftssystem / relative materielle Anspruchslosigkeit/ wenig Zeitzwänge/ Vorteile des StudentInnenstatus auf dem Arbeitsmarkt / teiweise, immer seltener werdende staatliche Absicherung / potentielle Perspektive einer bürgerlichen Karriere) auch eine besondere Verantwortung für die Kritik an und den Protest gegen diese Gesellschaft haben.
Die Kritik an der Gesellschaft ist für uns eine Kritik von Macht und Unterdrückung. Unterdrückung hat ihre Ursache in drei Strukturprinzipien dieser Gesellschaft: Kapitalismus, Rassismus und Sexismus.
Weil unsere Perspektive die der Unterdrückten ist, stehen alle drei Prinzipien nebeneinander, denn keiner kann jemandem vorschreiben, von was er sich am ehesten betroffen zu fühlen hat und wogegen er kämpft. Deshalb unterstützen wir sowohl die nationalen Befreiungskämpfe der Kurden, der Zapatistas in Chiapas, der Tuareghs in der Sahara als auch die, aller anderen KämpferInnen gegen Unterdrückung und Resignation überall auf der Welt in internationalistischer Solidarität. Für uns heißt Solidarität aber nicht, kritikwürdiges Verhalten der Befreiungsbewegungen nicht ansprechen zu dürfen. Bewegung kann an Kritik nur wachsen. Darüber hinaus gestehen wir aber den Bewegungen durchaus zu, die Kampfbedingungen auf ihrem Terrain selber bestimmen zu können. Wir lassen uns an der Frage von Militanz und bewaffnetem Kampfes nicht spalten.
Die Bedingungen hier in der BRD werden von uns so eingeschätzt, daß es auf der einen Seite einen massiven Rechtsruck gegeben hat, der das Klima allgemein verschärft, auf der anderen Seite eine staatliche Strategie aber immer noch so verfährt, daß sie mit dem Konzept "repressiver Toleranz", d.h. Toleranz bis zu dem Punkt an dem sie nicht mehr integrierbar, sondern destabilisierend wird, den Ansätzen der Linken keine Öffentlichkeit gibt. Von daher befinden wir uns zur Zeit in einer Phase von Abwehrkämpfen.
Unsere Schwerpunktarbeit an der Hochschule richtet sich gegen die weitere Durchkapitalisierung der Hochschule bzw. des Bildungssystems insgesamt, d.h. das die individuellen Bildungswünsche des Einzelnen zu Gunsten einer ausschließlich an volkswirtschaftlich fragwürdiger Bedarfsplanung orientierter Bildungsökonomie abgewürgt werden. Zweiter Schwerpunkt bildet der Kampf um die Erhaltung studentischer Freiräume, das sind auf der einen Seite die in studentischer Selbstverwaltung betriebenen Cafés und Arbeitsräume, aber auf der anderen Seite auch der Kampf um Satzungs- und Finanzhoheit, sowie das politische Mandat.
Unseren Schwerpunkt in der Stadt bildet die antifaschistische/antirassistische Arbeit und der Kampf um den Erhalt des VEB.
Tja, das war`s. Eine kurze Vorstellung von uns, der DLL. Wem`s gefallen hat, kann ja `mal auf uns zukommen. Wir sind meistens im Kulturcafe oder im AStA anzutreffen. Keine Angst, einfach fragen, die Leute kennen uns.
Ciao, bis bald
Eure DLL
DLL - an uns kommt keineR vorbei