Die Magnetkarten, die als Schlüssel für bestimte Räume dienen und einigen Leuten Zugang zur Hochschule außerhalb der Öffnungszeiten ermöglichen, kennt ihr vieleicht schon länger. In der Hochschulverwaltung wird seit August 94 die Einführung eines neuen Systems diskutiert. Neben der Ausweitung des Anwendungsbereiches sollen in Zukunft anstelle der Magnetkarten Chipkarten benutzt werden. Vorschläge, die auf der Senatssitzung am 14.11.94 gemacht wurden gingen von Bezahlung der Kopierkosten über Einführung als Bibliotheksausweis bis zur Arbeitszeiterfassung.
Die Erfassung all dieser Daten macht es möglich, ein relativ genaues Persönlichkeitsprofil des Kartenbesitzers zu erstellen. Zusätzlich erhält die ausgebende Institution ein Steuerungsinstrument, mit welchem sie Menschen bewußt ausgrenzen kann. Wir möchten dies an einigen Beispielen erläutern.
Einige Banken und Kreditinstitute vergeben Girokonten und EC-Karten nur an Kunden, die auch optisch in das Bild der Schalterhallen passen und an deren Kontoführung Gewinn zu machen ist. Niemand kann sich mittlerweile ein Leben ohne Girokonto vorstellen, da der bargeldlose Zahlungsverkehr in fast alle Bereichen Einzug gehalten hat. (Wie soll ich mir von anderen Leuten fünf Mark für 'ne Portion Fritten zusammenschnorren, wenn die nur noch Karten in der Tasche haben und selbst die Imbissbude ausschließlich mit dem Buchungsgerät arbeitet.)
Mittlerweile ist die Krankenversichertenkarte (KVK) flächendeckend eingeführt. Anfangs wurde die Karte als Ersatz des Krankenversicherungsscheines dargestellt. Die technischen Möglichkeiten der Karte wurden aber von vorne herein auf eine Speicherung von Daten über Name und Adresse des Versicherten hinaus ausgelegt. Bei verschiedenen Krankenkassen wird jetzt diskutiert, weitere Informationen zu speichern. Folgende Daten sind dabei im Gespräch: Krankheitsbild, Arbeitgeber oder auch Bruttoarbeitslohn des Versicherten. Mit dem Krankheitsbild wird der Grundstein zum Aufbau eines Gesundheitszentralregister gelegt. (Mit einer Multicard - mit Mensakonto, KVK, EC,... - könnte Dir die Krankenkasse mitteilen, daß Du nach drei Wochen Eintopf vielleicht mal was anderes zu dir nehmen könntest, ansonsten... - aber alles nur zu Deinem Besten!)
Wichtig ist auch die Frage, wer Zugang zu den gespeicherten Daten hat. Meistens hat der Kartenbesitzer noch nicht mal eine Kontrolle darüber, welche Daten von ihm selbst auf der Karte gespeichert sind, geschweige denn auf externen Datenbanken zu finden sind. Im Gegensatz zu Printmedien erfordern elektronische Datenträger aber immer entsprechende Lesegeräte.
Klar dürfte allen sein, daß sie sich der oben angerissenen Veränderung der (Daten-) Gesellschaft nicht entziehen können. Ein kritisches Umgehen mit dieser Technologie ist jedoch um so nötiger, insbesondere beim Betrachen der weit verbreiteten blinden Technikfreundlichkeit.