Ein Toter und achtzehn Verletzte bei fast dreißig faschistisch motivierten Angriffen auf Einzelpersonen.
Fünf Friedhofschändungen aus antisemitischer Motivation.
Unzählige Morddrohungen, rassistische und antisemitische Schmierereien, Pöbeleien, Belästigungen, Flugblätter und Aufkleber nationalsozialistischen Inhaltes.
Telefonterror, streifefahrende Nazis, faschistische Post im Briefkasten, Nazitreffen und -aufmärsche.
Siegen und Umgebung im Zeitraum 1988-1994.
Eine Veranstaltung mit der Projektgruppe Reader
Dienstag, 24. Januar '95 um 16 Uhr im Kulturcafe, AR-H 109
von DLL, ULEI, UL-AES und Lumba
Die Alltäglichkeit ist wieder eingekehrt. Nach Hoyerswerda, Mölln, Rostock und Solingen herrscht in Deutschland die rassistische Normalität.
AusländerInnen werden angegriffen; Flüchtlinge werden stigmatisiert, inhaftiert, unter menschenunwürdigen Bedingungen auf Flughäfen interniert und letztendlich wieder in die Verhältnisse gestoßen, vor denen sie geflohen sind.. Schwule und Lesben werden auf offener Straße attackiert;
Behinderte werden ermordet;
AntifaschistInnen werden beobachtet, bedroht, verprügelt oder gar umgebracht. Von staatlicher Seite werden sie kriminalisiert.
Allen Gruppen, die jenseits einer vermeintlichen Normalität stehen, soll es ans Leder gehen.
Daß lassen wir uns nicht gefallen!
Deshalb sind wir in die Offensive gegangen und haben im vergangenen Jahr mit verschiedenen, fortschrittlichen Initiativen aus der Stadt und der Hochschule das Projekt "Reader" gestartet. Ergebnis ist die Dokumentation "Rechtsextremismus im Siegerland", die vor allen Dingen die Bevölkerung der Region erreichen sollte, um zu zeigen, daß Rechtsextremismus und (Neo)-Faschismus auch in der "Provinz voller Leben" ein Thema ist. Wir haben das Buch in verschiedenen regionalen Kulturzentren vorgestellt.
Doch es geht um mehr!
Antifaschismus als Reaktion auf den politischen Gegner ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen steht die Veränderung der gesellschaftlichen Macht- und Unterdrückungsverhältnisse. Neben ökonomischen Strukturen sind Rassismus und Sexismus Stützen dieser Verhältnisse, die nicht nur knallharte materielle Ursachen, sondern auch soziale und psychologische haben. Deshalb beschränkt sich Rassismus nicht auf Randgruppen, sondern ist ein Teil gesellschaftlicher "Normalität".
"Es liegt an uns, an unserer Kraft, an unserer Ausdauer und Entschlossenheit, nicht den Rauch zu vertreiben, sondern die Feuerstelle selbst zu bekämpfen. Diese liegt nicht am Rand dieser Gesellschaft, sondern mittendrin." (l.u.p.u.s.-Gruppe)