Uni-Bote, 8.Ausgabe, 19.5.94
Der Titel hat wenig mit dem Artikel zu tun. Aber ihr, liebe Mit-StudentInnen, kennt diesen Slogan und vielleicht habt ihr auch eines unserer Flugblätter zu Gesicht bekommen. Und wie wir aus dem Seminar "Psychologie in der Werbung" wissen, ist der Wiedererkennungswert die halbe Miete
Ein neues Semester beginnt, und unter uns 13 1/2 Tausend alten HäsInnen tummeln sich auch ein paar hundert Frischlinge (Lehramt, AES, Physik, ..) die jetzt anfangen zu studieren: Welcome to the pleasure dome!
Seit der Bildung des neuen AStAs Anfang Februar waren Semesterferien. Die wenigsten von euch dürften also etwas davon mitbekommen haben. Zur Erinnerung: Im Januar fanden die Wahlen zum StudentInnenparlament (StuPa) statt. Dabei kam der Listenzusammenhang von DLL, LUMA, UL-AES und ULEI auf einen Stimmenanteil von über 40% und durfte 15 von 35 Sitzen des Gremiums besetzen. Das war zwar keine Mehrheit, aber eine gute Ausgangsposition. Darauf aufbauend konnte mit Unterstützung der Frauenliste noch kurz vor Beginn der vorlesungsfreien Zeit ein AStA gebildet werden (wie berichtet).Die DLL und ihre sozialistischen Schwesterorganisationen beschäftigen sich zur Zeit also damit, den AStA wieder zum Funktionieren zu bringen, und dafür investiert unser politischer Zusammenhang einiges an Leuten und Zeit.
Die auffälligsten Folgen dürften sein, daß AStA-Büro und -Shop jetzt viel länger geöffnet sind und die schnuckeligen neuen Kopierer einfach funktionieren. Aber wichtiger ist natürlich, daß die Politik an der Hochschule wieder in die Gänge kommt. Deshalb werden wir hier ein bißchen was von dem berichten, was sich seit Februar getan hat.
Ein wichtiges Beschäftigungsfeld ist die wiederaufgelebte Dachverbandsdiskussion. Zwar war sie seit der Auflösung der VDS (Vereinigte Deutsche Studentenschaft) nie ganz eingeschlafen, aber jetzt müssen wir uns mit einem ernsthaften Versuch beschäftigen, wieder einen Dachverband gründen. Er heißt FZS (Freier Zusammenschluß von StudentInnenschaften) und von den rund dreihundert (sic) StudentInnenschaften sind bisher rund 35 beigetreten. Da StuPa noch nichts dazu entschieden hat ist die StudentInnenschaft der GH Siegen (VS) kein Mitglied. Falls das StuPa den Beitritt beschließt, kostet das die VS eine Mark pro Studi, und wir bekommen dafür ein Koordinationsbüro mit ein paar MitarbeiterInnen, einen Postverteiler und eine Art bundesweite StudentInnenvertretung. Genaueres zur Konzeption steht in der vorläufigen Satzung der FZS (im AStA-Büro einsehbar).Vom 21. bis 24. April ist übrigens die erste Mitgliederversammlung. Am interessantesten daran scheint uns das Spannungsfeld zwischen der Einrichtung eines "echten" Dachverbands mit zentralen Strukturen und eines Netzwerks zu sein. Wir erstellen zur Zeit einen kleinen Reader zur Dachverbandsdiskussion und ihrer Geschichte und freuen uns auf die Diskussion hier an der Hochschule und im StuPa.
Da sich die StudentInnen in einer Urabstimmung mit deutlicher Mehrheit für die Einrichtung des STs ausgesprochen haben, bräuchte es hier gar nicht erwähnt werden. Da aber die VWS den Vertrag vor ein paar Tagen gekündigt hat (vermutlich wegen Preiserhöhung) und die Anwohner des Haardter Berges (das ist derjenige, welcher die heiligen Hallen unserer Gesamthochschule trägt) die Linie 33 lahmlegen wollen, teilen wir hiermit mit, daß wir das Semesterticket erhalten wollen und im StuPa und den Verhandlungen entsprechend vorgehen werden.
Die VWS will übrigens in Zusammenarbeit mit der GH den StudentInnenausweis fälschungssicher gestalten. Gerüchte, daß dazu die Bundesbank beratend hinzugezogen werden soll, wurden bislang weder bestätigt noch dementiert. Bekannt wurde indessen, daß die Fälschungssicherung in Form von Aufklebern geschehen wird. Wie die 13.000 Aufkleber auf die Studi-Ausweise kommen sollen, ist bis dato unbekannt.
Im Rahmen des allgemeinen "Sozialabbaus" (d.h. der Einsparung öffentlicher Gelder vornehmlich bei den weniger Verdienenden) hat sich das Land aus der Förderung des StudentInnenwerks (das sind die Jungs und Mädels, die die Mensen finanzieren, das BAFöG verwalten und die Wohnheime bauen) zurückgezogen. Damit ging eine Umstrukturierung der Verwaltungsräte des StudentInnenwerks einher: Von den fünfzehn Mitgliedern stellen die StudentInnen künftig sieben, also fast die Hälfte. Vier Sitze werden von anderen Mitgliedern der Hochschule besetzt (DozentInnen, Angestellte...), auf einem Sitz sitzt der Kanzler. Auf dem letzten freien Sitz nimmt eine Person mit Berufserfahrung oder entsprechenden Fachkenntnissen Platz, die der Verwaltungsrat bestimmt. Damit wird dieser endlich zu einem Gremium, in dem studentische Interessen durchsetzbar sind. Die studentischen VertreterInnen werden vom StuPa gewählt. Da im September die Verwaltungsräte neu besetzt werden, sind wir bereits auf KandidatInnensuche und diskutieren die Möglichkeiten die sich bieten.
Noch ist der erste Mai ein Feiertag also werden wir ihn feiern: Wie in den vergangenen Jahren rufen wir mit zum Roten 1. Mai auf und beteiligen uns an der Veranstaltung.
Auch dem 8. Mai - dem Jahrestag der Befreiung vom Faschismus - kommt in diesen unseren Zeiten eine besondere Bedeutung zu.
Fast 50 Jahre danach ziehen wieder Faschisten durch unsere Straßen, sprechen die selbe alte Sprache - ungestraft und beschützt von den Organen diese Staates. Insbesondere 1994 soll an diesen (wie auch an anderen) Tagen ein Zeichen gesetzt werden hier muß noch was hin
Genaueres zu den Veranstaltungen wird rechtzeitig bekanntgegeben.