Die Sommerschule im VEB ist mit dem Ausfall von zwei Veranstaltungen beendet. Zum Schluß wurde ein bis dato undiskutierter Film gezeigt, und davor gab es Kritik an den Binnenstrukturen, die sich mit massiven Vorwürfen an der Sommerschule ´94, an der Art und den Organisatoren fortsetzte (und interessante Einblicke in VEB-Struktur bot). Sie hat, vielleicht nicht nur bei mir, ein unbestimmtes Gefühl der Unzufriedenheit zurückgelassen. Daraus - und anderem - ist folgende Idee entstanden, die hiermit als Konzept aufs Mittwochstreffen geht (in Kürze).
Es waren immerhin 15 bis 20 Menschen am Diskutieren, von denen einige mir unbekannt waren. Eine zumindest mir neue Theorie der ökonomischen Grundlage(n) von Imperialismus wurde vorgestellt: peripherer Kapitalismus. Vom neuen Gesicht des Imperialismus gab es hinsichtlich der Bevölkerungspolitik und der Gegenbewegungen in den Metropolen zwei gute Diskussionen. Eine andere zum Thema Burkina Faso, die wohl unters Stichwort Gegenbewegungen im Trikont paßt. Exemplarisch wurden hier grundsätzliche Thesen abgeleitet (und ein weiteres Mitglied der anarcho-Fraktion entlarvt). Die Veranstaltung Imperialismus, Rassismus, Sexismus brachte Auszüge aus einer (feministischen?) Werttheorie von Bielefelder Soziologinnen und die Konfrontation mit den Binnenstrukturen (und das übliche Schweigen). Der letzte Film hätte, wenn diskutiert, sicher einen Einstieg in die (Re)Militarisierung der Politik gebracht, aber der Punkt war sowieso dabei.
Wenn es einen "roten Faden" gab, dann den Bruch zwischen der Beschäftigung mit den Zuständen in der Welt und dem Zustand der eigenen Strukturen.
Sie hatte nichts mit dem Vorbereitungs(?)papier zu tun. Weder die dort genannten Themen, noch die Texte hatten irgendeine Bedeutung. Das ist eigentlich nicht schlimm, wenn die daraus folgende leichte Verwirrung in der Veranstaltung behoben wird. Leider war dem nicht so. Einige Punkte kamen bestenfalls zwischen den Zeilen vor, so z.B. nichts zu Befreiungsbewegungen und deren Nationalismus, nichts zu Internationalismus, nichts zu Weltbank und IWF und eine Begriffsbestimmung "Imperialismus" ist mir auch verborgen geblieben. Und wie oft, ist die eingeschobene SP-Diskussion ziemlich kläglich gescheitert.
Allgemein gesagt, fehlte mir ein durchgängiger Zusammenhang der Termine, die Möglichkeit von einem Thema zum anderen zu kommen, bereits Erarbeitetes anzuwenden. Vielleicht hatten die Veranstalter ja sowas im Auge, rüber kam es aber nicht.
Aber auch obiger roter Faden scheint mir eher ein Knäuel: fünf Menschen reden über sieben (eigene) Strukturen.
Da offenbar das Leitthema Anti-Imperialismus für den Rest des Jahres feststeht (was mir teilweise entgangen ist), hat sich nun (nach intensiver Vordiskussion) das "Projekt Kuba" herauskristallisiert. Der offensichtliche Vorwurf, wir fegten wieder mal den Schmutz vor anderer Leute Haustür... muß sich im Diskurs widerlegen. Nach meiner Kenntnis hat Kuba den Vorteil, daß sich viele Strukturen auf Europa/die BRD abbilden lassen (Wirtschaft, Gesellschaftsmodell), andere ihre Wurzeln dort haben (Katholizismus). Der Versuch vor der Haustür ein Thema zu finden, führte über das ehemalige Jugoslawien, die EU/WEU und die lokalen europäischen Befreiungsbewegungen doch zurück zu Kuba. Jene schränkten entweder die Breite der möglichen Themen ein, oder basieren auf überkommenen (für uns irrelevanten) Konflikten (oder beides).
Keine Frage, was die Theorie anbelangt, sieht es eher mau aus im Zusammenhang, und da denk ich sowohl ans Niveau insgesamt, als auch an die Unterschiede. Hin und wieder beschleicht mich da schon mal die Frage, mit wem ich da auf welcher Basis Politik mache. Will sagen, es mangelt mir an Diskurs. Diskussionen gibt es reichlich, notfalls auch zu Stupa-tactics. Da müssen schließlich nicht Positionen erarbeitet und vertreten werden, sondern nur das wie der Vertretung behaupteter Positionen. Sobald wir an kritische Themen gelangten, gab es in der Regel schon gute Brüche, die jedoch schnell der Tagespolitik geopfert wurden, Beispiele: Semesterticket, Dachverband und die beliebte SP-Diskussion.
Das hat zuerst zur Idee geführt, anhand von ausgesuchten Begriffen und Texten dazu eine allgemeine Theoriebildung zu versuchen. Das hieße, sich breit mit allen möglichen Theorien (zu den Begriffen aus dem Feld Anti-Imperialismus) zu beschäftigen. Aber falsch (weil unsystemisch). Wissen (also auch "Theorie") beliebig anzuhäufen führt zu nichts. Es muß sich schon festmachen, z.B. an der Realität, am Handeln (Praxis), an der Betroffenheit (das ist banal, trotzdem richtig). Es wird nun im Herbst sowieso einige Veranstaltungen zu Kuba geben, die sicher auch Vorbereitung(-sdiskussionen) erfordern. Also bietet, sofern wir nicht noch was ganz eigenes aufziehen wollen, Kuba die notwendige Vernetzung mit der Wirklichkeit, mit bevorstehender politischer Handlung. Nebenbei ist Dringlichkeit, Wichtigkeit und die Beschäftigung mit einer sozialistischen Gesellschaft gegeben.
Praktischerweise sind nunmal drei Monate Semesterferien. Klar, auch wir brauchen Erholung und einige haben ja ein ziemlich großes Projekt durchgezogen. Andere haben das nicht und auch sonst nichts. Was ich z.B. aus unserem AStA höre und sehe, gibt mir zu denken: das Andere in zwei Thesen. Neben den immer wieder aufbrechenden Animositäten, sehe ich die Inhaltsleere der momentanen Arbeit zu einer massiven Selbstbezogenheit führen und zur Konstruktion von politischen Problemen, wo (und eben weil) weit und breit nichts politisches vorhanden ist. Dazu kommen zum gefälligen Aufschaukeln noch ein paar Arbeitsstrukturproblemchen. Für genauso schlimm halte ich die Tendenz zur Politikvermeidung, um die eigene Stellung nicht zu gefährden. Wenn ich jedes kritische Thema vermeide, delegiere oder genügend verschleppe, vermeide ich eigene Positionen preisgeben, oder sogar entwickeln zu müssen. Was soweit führt, daß ich eben nicht mehr weiß, mit welcher politischen Basis ich es zu tun habe.
Wie schon angedeutet, soll es zu Anti-Imperialismus einige Veranstaltungen geben. Bekannt sind mir zwei Referate (o.ä.) zu Kuba, die Landminen-Aktion und die "Fahrräder für Kuba"-Idee. Das gibt uns die Richtung des Handelns vor und macht es möglich, erstmal Theoriebildung am Thema und an uns selbst zu betreiben.
Es sind noch vier Wochen Ferien. Das bedeutet, wir haben sofort vier Mittwochstreffen, an den ca. 2 Stunden für den Diskurs verwandt werden können (oder nach Belieben mehr). Einen speziellen Termin halte ich für ungünstig. Eine Fortsetzung ins Semester ergibt sich von selbst, soll aber nicht geplant werden.
Zu jedem Mittwoch gibt es spätestens in der Woche davor Text(e), deren Lektüre notwendig sein muß. Danach denke ich an eine Diskussion entlang der Texte; um methodische Eintönigkeit zu vermeiden, könnten einzelne kleine Exkurse, Thesen oder Film(e) beitragen. Die sollen aber nicht zentral sein.
Alles weitere mündlich...