Grußwort des AStAs der GH Siegen
Liebe Kommilitonen und Kommilitoninnen,
im Namen der Verfaßten Studierendenschaft begrüßen wir Euch recht herzlich an der Gesamthochschule Siegen.
Kommilitone ist lateinischen Ursprungs und bedeutet Mitstreiter. Wenn wir einmal annehmen, daß mit Streit hier eine durchaus konstruktive Form der Auseinandersetzung gemeint ist, dann ist es eine durchaus berechtigte Anrede unter uns Studierenden.
Wir haben in den letzten Jahren einen Umbau der Hochschulen verfolgen müssen, der in immer kürzer werdenden Studienzeiten ein Wissen vermittelt, das unter dem Aspekt der Abfragbarkeit, der Prüfungsrelevanz ausgewählt wird und nicht der Wissenschaftlichkeit. Diese durchaus verständliche, aber keinesfalls akzeptable Reaktion auf enger gewordene Verteilungsspielräume hat für uns Studierende unmittelbare, negative Konsequenzen. Hier müssen wir uns streiten; müssen streiten für eine Ausbildung die Wissenschaft als Methode vermittelt und nicht als ein bloßes Mehr an "facts". Wir müssen streiten für eine kritische Wissenschaft, die nicht Legitimationsinstrument des politischen Systems ist, sondern Kritik- und Reflexionswissenschaft.
Studierende sind bis auf wenige Ausnahmen Teil der Armutsbevölkerung in diesem Land. Auch wenn das Alter der meisten von uns und der "studentische Lebensstil" (was immer das auch sein mag) dazu beiträgt, daß wir so gerade eben über die Runden kommen, ist die zunehmende Doppelbelastung von Job und Studium ein Skandal. Die Studiendauer muß sich so natürlich erhöhen. Hinzu kommt, daß Studierende als billige Arbeitskräfte gegen andere soziale Gruppen ausgespielt werden. Aber wir dürfen uns nicht spalten lassen und zusammen mit eben diesen Gruppen gegen Sozialabbau und Lohnarbeitslosigkeit streiten.
Wie ihr seht, gibt es eine Menge zu tun. Demokratisierung der Hochschule in Struktur und Inhalt und Demokratisierung der Gesellschaft, d.h. materielle Voraussetzungen für die Partizipation Aller und strukturelle Reformen, die die Gleichberechtigung und Emanzipation Aller, die hier leben, ermöglichen, sind wichtige Aufgaben am Ende des 20. Jahrhunderts. Diese Fragen gewinnen unter dem Gesichtspunkt der Veränderungen im ökonomischen System geradezu beklemmende Brisanz.
Wir laden Euch alle recht herzlich ein sich mit uns zu streiten und mit uns zusammen zu streiten.