DLL-Redebeitrag auf der Demonstration am 21. März '94
Liebe Freundinnen und Freunde; Liebe Genossinnen und Genossen,
ich freue mich, Euch, Deutsche wie Kurden, heute hier so zahlreich versammelt zu sehen. Manchen Deutschen wird mulmig beim Anblick von Fackelzügen, die für uns hier in Deutschland ein eindeutig negativ besetztes Symbol darstellen. Trotzdem stehen wir heute hier, weil wir diese Fackeln nicht als Symbol aus der Deutschen Geschichte begreifen, sondern als Teil der kurdischen Tradition verstehen. Das Feuer symbolisiert für Kurdinnen und Kurden Hoffnung, Widerstand und Befreiung, wie uns die Newroz-Legende vermittelt. Nach dieser Legende war es am 21. März 612 vor Chr. als der Schmied Kawa sich dagegen wehrte seine Kinder dem assyrischen Tyrannen Dehak zu opfern. Er organisierte die Massen der Meder, zog zum Palast des Tyrannen, entfachte zum Zeichen für die in die Berge geflüchteten Meder ein großes Feuer, erstürmte mit ihnen den Palast und stürzte dadurch den Tyrannen. Dieses Feuer wurde zum Zeichen des Untergang des Assyrischen Reiches und zur Befreiung von seiner Unterdrückung. Seit dieser Zeit ist Newroz das Symbol für die Befreiung, aber auch für blutige Unterdrückung.
Wir demonstrieren für das Ende des Völkermordens in Kurdistan. Wir demonstrieren aber auch für das Recht der Kurdinnen auf nationale Selbstbestimmung.
Manchen Deutschen wird mulmig, wenn Sie von nationaler Selbstbestimmung oder nationaler Befreiung hören. Trotzdem müssen wir eins sehen:
Das türkische Militärregime versucht seit Jahren die kurdische Sache zu unterdrücken und das kurdische Volk auszulöschen. Dies wird insbesondere an Newroz deutlich. Das türkische Militär verbietet die Feierlichkeiten und massakriert kurdische Zivilistinnen. Dazu werden in umfangreichem Maße deutsche Waffen eingesetzt. In Deutschland lebende Kurdinnen werden kriminalisiert und abgeschoben.
Deutscher und türkischer Nationalismus gehen hier Hand in Hand. Neues deutsches Großmachtstreben, die Sicherung der Südost-Flanke der NATO und die Garantie der deutscher Rüstungsexporte bestimmen die Bonner Türkeipolitik. Menschenleben zählen da ebensowenig wie die Menschenrechte.
Die Verhaftung von sieben kurdischen Politikern zeigt deutlich, wie sich das türkische Regime die bevorstehenden Kommunalwahlen am 27. März vorstellt. Von daher ist das Friedensangebot der PKK gar nicht hoch genug zu schätzen und soll an dieser Stelle ausdrücklich begrüßt werden.
Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker!
Unser Kampf hier: gegen wiederwachenden Nationalismus, gegen Rassismus und Neofaschismus ist aufs Engste verknüpft mit Eurem Kampf um nationale Selbstbestimmung hier und in Kurdistan. Wir lassen uns nicht an Fragen der Militanz spalten.
Unser Kampf hier: gegen das Kapital und seine Staatlichkeit muß internationalisisch sein, weil auch das Kapital international ist. Antiimperialismus ist immer auch Antikapitalismus.
Wir werden einen langen und steinigen Weg zu gehen haben, bis unsere Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit gestillt ist. Aber: Jeder Tag mehr ist ein Tag weniger zu unserem Sieg.
Für ein freies und unabhängiges Kurdistan!
Gegen Imperialismus und Rassismus!
Gegen die Kriminalisierung von antifaschistischen und antiimperialistischen Widerstand!
Rotfront!