Die Würfel sind gefallen.

ContraVinz, Nr. ?, 4/1994

Wie im letzten Jahr auch außerhalb der Hochschule zu bemerken war, gab es an der GH Siegen keinen funktionierenden AStA (Allgemeiner StudentInnenausschuß). Der AStA ist gewissermaßen das Kabinett, welches vom StuPa (StudentInnenparlament) gewählt wird. Das StuPa - vergleichbar mit dem Bundestag - wird wiederum einmal im Jahr von der StudentInnenschaft gewählt, und soll unter anderem den AStA zu wählen und den Haushalt der verfaßten StudentInnenschaft verwalten.

Wie in jedem repräsentativen, parlamentarischen System gibt es auch hier Schwachpunkte. Die Wähler müssen "RICHTIG" wählen, um Mehrheiten im Parlament zu gewährleisten. Dies war im vorherigen StuPa nicht der Fall. Zwar konnte kein AStA gewählt werden, aber wir konnten mit einem Stimmenanteil von einem Drittel im StuPa viele unserer politischen Anliegen durchsetzen (z.B. die Finanzierung des Roten 1. Mai ).

Nach der diesjährigen Wahl ergaben sich günstigere Stimmverhältnisse. Dem Diskussions- und Arbeitszusammenhang der Liste DLL (Deine Lieblings Liste) mit den Fachschaftslisten LUMA (Liste Unabhängiger MaschinenbauerInnen & ArchitektInnen), UL-AES (Unabhängige Liste AES) und ULEI (Unabhängige Liste Elektrotechnik und Informatik) gelang es, einen Stimmenanteil von über 40% zu erreichen.

Für uns als "kleine radikale Randgruppe" - auch bekannt als "die Schmuddels" und verschrien als "die Ultralinken" (laut RCDS- die Rechten im StuPa) - ist das schon erstaunlich. Dies ist zwar keine klare Mehrheit, aber es verschaffte unserem Zusammenhang 15 von 35 Sitzen. Gestützt auf die neuen Verhältnisse im Parlament erarbeiteten wir wieder mal ein AStA-Konzept. Dieses fußt im Kern darauf, daß ein Minderheits-AStA die Einhaltung der technischen Standards (Servicebereiche wie Sozialberatung, Shop, Kopierer und Büroöffnungszeiten) sicherstellt, erweitert und ansonsten Arbeitsaufträge des StuPa ausführt. Das Konzept ist - mit den von uns vorgestellten AStA-ReferentInnen - nach einer zwölfstündigen Marathonsitzung am 12.2.94 beschlossen worden.

Der Minderheits-AStA stellt also ein vom StuPa jederzeit kontrollierbares Organ dar. Politische Arbeit wird dem StuPa von seinen unterschiedlichen Fraktionen vorgegeben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Listen bereiten wir uns auf StuPa-Sitzungen gründlich vor und bilden dadurch eine relativ homogene Fraktion. Eine Mehrheit ohne uns ist ausgesprochen unwahrscheinlich, da die Mitglieder anderer Listen meist einzeln agieren. So können wir die politischen Arbeitsvorgaben des StuPa an den AStA sehr stark beeinflussen.

Die Guten sind also wieder am Zuge!!!

Der neue AStA ist arbeitsfähig und funktioniert. Er teilt sich nicht in Referate auf. Alle anfallenden Arbeiten werden durch einen Geschäftsverteilungsplan auf die AStA-ReferentInnen verteilt. JedeR ReferentIn ist also für alles, was im AStA passiert, verantwortlich. Lediglich in komplexere Themen (z.B. Sozialberatung und Finanzen) arbeiten sich einige intensiver ein.

Außerdem stellt der AStA anderen Gruppierungen - wie autonomen Referaten , Fachschaftsräten und Arbeitsgruppen - seine Organisationsstrukturen zur Verfügung.

Für uns, die wir Hochschule als Lebensraum sehen, war es unerträglich, ständig vor verschlossenen Türen zu stehen. Jetzt stehen die Türen offen und der AStA allen, die etwas von ihm wollen, mit freundlichem Lächeln zur Verfügung.

Eure Schmuddels