Rede zur Demonstration am 20. Januar 1993, "Roter Platz", Kreuztal
Genossinnen und Genossen, was bleibt noch zu sagen?
Die derzeitige Situation spricht für sich: Über 2000 faschistische Anschläge mit 800 Verletzten und bis jetzt 10 Toten allein in diesem Jahr.
Das, Genossinnen und Genossen, ist das Ergebnis der sogenannten Asyldebatte; von Strategen aller etablierten Parteien entfacht und von mordenden Mob auf der Straße umgesetzt.
Hinterher ist die Entschuldigung schnell gefunden: Die Opfer werden zu den eigentlich Schuldigen gemacht, die Täter von den passenden Verfassungsschützern und Sozialarbeitern zu unorganisierten, irregeleiteten Jugendlichen heruntergelogen.
Die Besorgnis der politischen Eliten erstreckt sich dabei weniger auf totgeschlagene Menschen, als vielmehr auf das angeschlagene Image der Deutschen im Ausland.
Um dieses Image wieder ins rechte Licht zu rücken, soll Artikel 16 GG geändert werden. Die Dreckarbeit soll zukünftig in den Herkunftsländern erfolgen.
Technik und know how made in Germany werden gern zur Verfügung gestellt, wie der Völkermord in Kurdistan zeigt. Wen wird es denn wundern, wenn die Türkei die Nummer 1 auf der geplanten Liste der Nichtverfolgerstaaten wird.
Doch wozu in die Ferne schweifen?- Dieses Land bewahrt seine faschistischen Traditionen, sei es das brandschatzende Volksempfinden auf der Straße, oder der ungebrochene Wille zur Geschichtsumschreibung hinter den Schreibtischen.