Es Reicht!

Sie haben es geschafft. Die DLL ging mit dem Vorhaben in den Wahlkampf, politisch zu argumentieren. Wir wollten uns nicht von populistischen Stimmenfängern des RCDS eine Schlammschlacht aufzwängen lassen. Wir wußten, daß sie uns darin überlegen sein würden. Das Handwerk haben sie halt von ihrer Mutterpartei gelernt. Wir waren zu müde, immer wieder zu beteuern, daß im Kulturcafe keine TerroristInnen heimlich Bomben basteln und waren es leid, ständig richtigzustellen, daß Euch die DLL nicht von Erich Honecker und seinen KommunistInnen auf den Hals geschickt wurde. Wir bedauern um so mehr, daß nun durch die Verbreitung von Flugblättern an der Gesamthochschule, die Euch glauben machen sollen, die DLL (und natürlich auch das Kulturreferat, weil die ja alle unter einer Decke stecken) lasse Schlägerbanden durch die Hochschule ziehen, um RCDS'ler und allen, die sich sonst noch trauen uns zu widersprechen, die Nasen zu glätten, eine Situation entstanden ist, die unsere inhaltlich-politische Auseinandersetzung im Wahlkampf fast lahmgelegt hat und uns zwingt wenigstens die gröbsten Dummheiten richtig zu stellen. Ihr braucht wirklich keine Angst vor uns zu haben. Wir schreiben diese Erklärung. Dann ist Schluß damit.

Der Vorfall vom Donnerstag, den mehrere Personen aus dem rechten Spektrum in ihren Handzetteln so farbenfroh schildern, mußte von uns selbst erst durch Erfragen rekonstruiert werden. Leute aus unserem Zusammenhang waren an dieser hitzköpfigen Konfrontation nicht beteiligt. Auch die Freundinnen und Freunde des Kulturreferats versicherten uns, sie hätten keine Leute in ihren Reihen, die sich mit RCDS'lern prügeln würden. Wir also los! Rumfragen, jeder wußte was anderes, viel Durcheinander, viel Chaos. Wir erfuhren nur soviel: Vor dem Mensafoyer muß es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen plakatierenden RCDS'lern und zwei bis drei Studenten gekommen sein. Ein darauf folgendes Handgemenge muß einen der Plakatierer wohl auf den Gedanken gebracht haben, das gäbe einen feinen Wahlkampfschlager her, wenn das die Terroristen aus DLL und Kulturcafe wären und außerdem bringt so eine fingierte Beule im Auto (die Beule im Auto scheint bei ihnen irgendwie einen gehobenen Stellenwert einzunehmen, so als sei das das eigentliche Kapitalverbrechen) bestimmt dick Knete (hat ja schon damals bei der Versicherung geklappt, ey!). Es scheint viel Theatralik im Spiel gewesen zu sein. Nur: Menschen sind leider keine Versicherungen.

In diesen Kontext sind auch die Attacken auf das Kulturreferat und die DLL einzuordnen. Wir hemmen die Jungen, Erfolgsorientierten auf ihrem Karriereweg. Das macht sie so rasend und so rücksichtslos in ihrer Auseinandersetzung mit den Linken an dieser Hochschule. Dieser Sozialcharakter soll sich in Deutschland-einig-Vaterland durchsetzen. An die Stelle emanzipatorischer Verhaltensnormen tritt eine radikal enthemmte Bereicherungssucht auf Kosten anderer. Offen zur Schau getragene Ellbogenmentalität und der Drang, alles mit Füßen zu treten, was sich dieser neuen Gesellschaftsordnung verweigert, oder nicht reibungslos verwertbar ist, sind weitere Merkmale dieses neuen Sozialtyps. Den Ostblock haben wir schon erobert, die Linke im eigenen Reich scheint angeschlagen, jetzt oder nie muß nachgetreten werden. In einer Publikation des Kulturreferates stand es schon. Was die rechtsradikalen Parteien so gefährlich macht, ist die Tatsache, daß die bürgerliche Gruppierungen rechtsradikale Positionen übernehmen. Eines dieser Flugblätter fordert "Euch" auf, "selbst Euer Urteil über die Kommilitonen zu fällen". Ihre Sprache weckt in uns den Gedanken, mal höflich nachzufragen, woher sie sie haben und an welches Urteil sie dächten, was ihnen da so in den Sinn käme! Und wenn die Linken so gefährlich sind und die Kriminalisierung ihrer Strukturen so ohne Gegenwehr läuft, wäre nicht eine Bürgerwehr zeitgemäß? Vielleicht kommt im Laufe des Wahlkampfs ja tatsächlich nochmal eine politische Aussage der Rechten, nur so als Vorschlag. Vielleicht zum Thema AusländerInnen, AsylantInnen oder Roma und Sinti oder Schwule oder linkes Gesocks (ach nein, das hatten wir schon). Der ideologische Boden ist den Rechten im Deutschland-einig-Vaterland bereitet. Jetzt geben sie Gas, aber hallo.

Wir verstehen ja durchaus das Problem der rechten Knaben, die jenes Flugblatt verbreiteten. Sicher ist die Not groß, wenn einem für die politische Auseinandersetzung der Verstand fehlt und man dennoch im Stupa das Sagen haben will. Aber daß wir nicht einen Funken Fairneß von ihnen zu erwarten hatten, das war uns neu. Wir werden uns auf diese Situation in Zukunft einstellen.

Noch ein Wort an Euch, geneigte LeserInnen. Laßt Euch jetzt die Wahl nicht weiter vermiesen und haltet die Ohren steif.
Tschüß und mit liebem Gruß
DLL, ULE, ULM