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schmuddelkind, Dezember '90

Studieren als Lebensform

Für uns ist Studieren mehr als nur der Besuch einer Hochschule. Für uns ist Studieren ein wichtiger Lebensabschnitt, der uns vor dem endgültigen Eintritt ins Berufsleben eine Menge Freiräume bietet, die wir nutzen wollen. Für uns bedeutet diese Phase, relativ unabhängig vom Elternhaus und anderen sozialen Instanzen, unsere Persönlichkeit entwickeln und Lebensalternativen ausprobieren zu können. Diese Chance lassen wir uns nicht nehmen.

Studieren in den 90ern

Studieren war einmal die Vermittlung von Wissen, sowie die Garantie von Freiräumen zum Denken und Leben. Das war zwar nur ein Privileg der Bourgeoisie, aber als Bildungsideal besitzt diese Vorstellung ungebrochene Attraktivität. Studieren ist heute die Fortsetzung von Schule mit anderen Mitteln, d.h. die massenhafte Vermittlung kognitiven Wissens zur Erlangung formaler Qualifikation. Studieren ist eng angelegt an Anforderungen von Industrie und Kapital. Deshalb wird Studieren immer notwendiger, weil der Hochschulabschluß den Zugang zu einem attraktiven Job wahrscheinlicher macht. Dadurch haben sich Charakterprofile von StudentInnen verschoben. StudentInnen sind weitgehend nur an einer Optimierung des Lehrangebots interessiert. Aber selbst da ist die Hochschule Minimalanforderungen nicht mehr gewachsen. Studieren ist im überfüllten Hörsaal sitzen. Studieren ist ausgefallene Lehrveranstaltungen und DozentInnenmangel. Studieren ist mangelnde Betreuung durch die DozentInnen.

Für uns soll Studieren aber sowohl ein befriedigendes Lehrangebot, als auch Zugang zur Forschung bieten. Für uns soll Studieren Kritik als Methode vermitteln und Platz lassen für kritische Persönlichkeiten. Für uns soll Studieren Zeit lassen fürs Leben.

Leben in den 90ern

Leben in Deutschland ist anders geworden. Dieses Land ist nicht nur größer geworden, es hat sich verändert. Leben heißt für uns so sein zu können, wie wir wollen. Soviel Freiraum muß für jedeN hier sein, außer für Faschisten! Leben heißt für uns neben Studienordnungen und Prüfungen auch noch Zeit für anderes zu haben. Leben heißt billiger Wohnraum und genug Geld für alle.

How to do it

Wir wissen, daß ein solches Programm nicht unbedingt mehrheitsfähig ist. Wir wissen auch (aus eigener Erfahrung), daß studentische Interessensvertretung nicht genug Macht hat um solche Vorstellungen durchzusetzen Wir können das StudentInnenparlament aber als Sprachrohr nutzen, um unsere Vorstellungen öffentlich zu machen.