Ein Jahr DLL- und AStA-Arbeit

schmuddelkind, Dezember '90

Versuch eines kurzen Resumees.

Vor nun über einem Jahr gründete sich an der GH Siegen die DLL-Deine Lieblings-Liste als hochschulpolitische Organisation. Anlaß zur Listengründung war der rapide Zerfall linker Organisationen an den Hochschulen der BRD und das damit verbundene Anwachsen rechter Potentiale. Dem galt und gilt es immer noch etwas entgegenzusetzen. In ihrem Selbstverständnis sieht sich die DLL als Sammelbecken linksorientierter Einzelpersonen, welche versuchen, in gemeinsamer Diskussion und Arbeit ihre politische Position zu finden und zu festigen. Als Vorteil hierbei wird empfunden, nicht von Weisungen und Direktiven aus Bonn, Düsseldorf oder wo sich sonst noch Parteizentralen befinden, abhängig zu sein.

Recht früh schon war die DLL politisch gefordert, stellte sie doch bereits im Januar 1990, bis zur Abwahl im Oktober desselben Jahres, zusammen mit der Unabhängigen Liste Elektrotechnik (ULE) den AStA. Zu Beginn dieser AStA-Arbeit wurde der politische Anspruch der DLL, zum Teil sehr euphorisch, in einem AStA-Arbeitsprogramm mit dem Titel AStA 1990 festgehalten, welches übrigens auch für den derzeitigen AStA formal als Arbeitsgrundlage dient, was vielleicht etwas über die Qualität des Papiers erahnen läßt. Leider ist es der DLL nicht gelungen, die zum Teil hehren Ansprüche des Arbeitsprogramms in der Praxis vollständig umzusetzen. Politisches Ziel unsere Arbeit war und ist es immer noch, die Isolation der hochschulpolitischen Gremien in der Stadt zu durchbrechen. Dies ist uns vor allem durch die BASTA und in der Wohnungsnotkampagne gelungen. Der AStA wurde von der Verwaltung der Hochschule und der Stadt sowie von Presse und der `Scene' wieder wahr und ernst genommen. Dies ist auch der Rolle des AStA's als Ansprechpartner für Initiativen inner- und außerhalb der Hochschule zu verdanken, erinnert sei nur an die Themen Ökologie, Anti-Fa und Häuserkampf. Nicht unerheblich war auch der Einfluß des DLL/ULE-AStA auf bundesweite Diskussionen, hier vor allem in der Endphase der VDS.

Die DLL versteht und verstand sich als Teil des sog. Haufenplenums, eines bundesweiten, studentischen Zusammenschlusses aus Basisgruppen und links-undogmatischen StudentInnengruppen. Trotz dieser politischen Ausrichtung hat sich die DLL in ihrer AStA-Arbeit nie gescheut, "klassische Hochschulthemen" aufzugreifen und Initiativen zu unterstützen. Obwohl wir uns bemüht haben, ein hohes Maß an Transparenz und Offenheit zu schaffen, wurde die AStA-Arbeit innerhalb der Hochschule von einem Teil der Studierenden nicht richtig wahrgenommen. Dies hat die DLL und mit ihr den gesamten AStA zum Schluß angreifbar gemacht, da interne Diskussionen nicht mehr für jeden und jede nachvollziehbar waren.

Wir, die Frauen und Männer aus dem Diskussionszusammenhang DLL hoffen jedoch, jetzt, ohne den Arbeitsdruck durch die AStA-Arbeit, wieder innovativ kritische Auseinandersetzungen anregen zu können. Die Mittwochs-Plena sind ein erster Ansatz dazu.