Autonomes Chaos, 1.Ausgabe Wintersemester 1990/91,Oktober '90
Aufgrund der Übelkeit erregenden Vorgänge im StuPa am 18.10.1990 sieht sich der fsr7 genötigt seiner Empörung Platz zu öffentlicher Entfaltung zu geben.
Wie vielleicht bekannt sein dürfte, gibt es seit oben erwähnter StuPa-Sitzung einen neuen (neu bis auf Einen - VERRAT!) AStA. Formal geschah dies durch ein konstruktives Mißtrauensvotum. Die bisherige Opposition war jedoch nicht in der Lage alle KandidatInnen für den neuen (s.o.) AStA erscheinen zu lassen. Da aber die Machtfrage um jeden Preis geklärt sein sollte, berief sie sich kurzerhand auf's WissHG, tauschte die (Rotations-) Vorsitzende durch einen neuen aus, gab damit längst erkämpfte Positionen studentischer Interessenvertretung zum Abschuß frei. Die vorhergegangene Rücktrittserklärung von Peter G., rechtzeitig zu seiner Wi(e)derwahl, ist eine Ansammlung paranoider Anschuldigungen, Unwahrheiten, Geschmacklosigkeiten. Gipfel des Genusses stellt die Verleumdung des Finanzreferenten Wolfgang dar. Er war dann auch der erste, der mit dem Ausdruck menschlicher Enttäuschung sein Amt zur Verfügung stellte. Die Erinnerung an Klaus' Rücktrittserklärung greift uns heute noch an, hinterläßt aber gleichzeitig den Eindruck menschlicher Größe und aufrechten Gangs. Da kaum noch etwas hinzuzufügen blieb, beschränkten sich die restlichen AStA-ReferentInnen darauf, kurz und bündig ihren Rücktritt zu erklären.
Obige Ereignisse stellen u.E. einen schwarzen Tag für die politische Kultur, in der politischen Landschaft unserer Hochschule dar. Weniger die Tatsache, daß sich nun auch unter StudentInnen konservative Mehrheiten finden, als vielmehr die schäbige Art und Weise in der verfahren wurde, läßt die Emotionen hochschlagen. Nüchtern betrachtet stellen sich uns dennoch Fragen, Befürchtung drängen sich auf. Droht der Geist der Aufklärung, das Streben nach Toleranz, die Suche nach Vernunft wieder einmal ersetzt zu werden durch politisch-gesellschaftliches Desinteresse, konservatives Spießertum, Nationalstolz und Chauvinismus? Wie werden wir uns als StudentInnen zu dieser Entwicklung verhalten? Welche Rolle wollen wir uns geben? Wegbereiter oder Stachel im Fleisch?