AStA gegen Wohnungsnot und Spekulantentum!

BASTA, 1. Ausgabe Winter-Semester 1990/91, Oktober '90

Ja, auch wir im provinziellen Siegen haben ein Wohnungsproblem. Dazu ein paar Gedanken nicht nur für Leute, die gerade eine Wohnung suchen. Irgendwo zwischen den Klein- und Todesanzeigen findet sich in der Zeitung eines der unangenehmsten Schreckgespenster unserer Zeit: der Wohnungsmarkt. Grund genug eben diesen ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Unter dieser Lupe erscheint der Wohnungsmarkt zuerst einmal leer, doch weist er bei genauerer Betrachtung einige interessante Merkmale auf. Am augenfälligsten stellt sich die enorme Verteuerung von Wohnraum dar. So schlug ein 15 m2 großes Zimmer noch vor wenigen Jahren mit höchstens 200,- DM warm zu Buche, heute kann bereits die Hälfte des Bafög-Höchstsatzes (ca. 400,- DM) dafür abgeschrieben werden. Darüber hinaus gibt es ein umgekehrt proportionales Verhältnis von Wohnqualität und Erwartungen des Vermieters an den/die künftige MieterIn: gesucht werden nur noch christlich gesinnte Nichtrauch-Wochenendfahr-Stubenrein-Kurzhaar-Kinderbetreu-Gartenarbeit-NachhilfelehrerInnen mit Bürgschaft von Papa usw. Eine ganz andere Eigenschaft des Wohnungsmarktes ergibt sich allerdings erst bei einer globalen Betrachtung und Analyse der Situation. Auf der Suche nach Ursachen findet mensch das Argument, es seien keine Mittel für soziale Wohnungsbauprogramme vorhanden. Hier läßt sich ableiten, daß der Wohnungsmarkt nicht dem vielgepriesenen freien Spiel der Kräfte unterliegt, sondern vielmehr ein in höchstem Masse gesteuerter ist. Die Steuerung greift durch Subventionen, Baugenehmigungsverfahren (Wohnraum contra Gewerbeansiedlung), Duldung von Spekulation. Somit haben wir die momentane Wohnungsnot der Tatsache zu verdanken, daß sich Regierungen in diesem unserem Lande seit Mitte/Ende der 70er Jahre aus dem Konzept sozialen Wohnungsbaus verabschiedet haben. So werden keine, oder nur wenige Sozialwohnungen gebaut, Mietpreisbindungen laufen aus, das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) wird abgeschafft. Die Verantwortlichkeiten dürften somit auf der Hand liegen. Wichtig ist es jetzt Wohnungsnot als kollektives Problem zu erkennen und sich nicht in die Individualität des "Keine-Wohnung-Kriegens" aufspalten zu lassen. Denn weit gefehlt, meint mensch Wohnungsnot hätte ihr Ende da, wo Wohnung finden anfängt. Soll heißen: Solidarität aller Betroffenen, aber hallo!