Soli-Häuser Demo

BASTA, 1. Ausgabe Winter-Semester 1990/91, Oktober '90

Im Namen des AStA der GH Siegen hat Ulf [...] auf der Soli-Häuserdemo gegen Wohnraumzerstörung, am 28. April '90 in Siegen folgende Rede gehalten; wir drucken sie hier als Dokument ab.

Für den AStA der Gesamthochschule Siegen überbringe ich beste und solidarische Grüße.

Wir halten den geplanten Abriß der Häuser am unteren Wellersberg für bezeichnend für die in Siegen betriebene Wohnungspolitik, wenn das, was sich hier abspielt, überhaupt "Wohnungs"-Politik genannt werden kann. Durch Zustrom von Asylsuchenden, Aus- und ÜbersiedlerInen, sowie vermehrt auswärtigen StudentInnen entsteht ein eklatantes Wohnungsdefizit. Die einzige Antwort, die die Verantwortlichen darauf haben, ist Abriß bzw. Zweckentfremdung innerstädtischen Wohnraums. StudentInnen, die z.B. von auswärts kommen sind gezwungen, innerhalb kürzester Zeit etwas zu Wohnen zu finden. Wer da im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern noch etwas findet, kann von Glück reden. Wer Pech hat, bleibt zwei Monate in der AStA-Notunterkunft und findet sich nachher in der Nähe von Hilchenbach wieder, wo er aber ein "ruhiger Typ und Wochenendfahrer" sein muß Für diejenigen, die aus Siegen kommen, rückt das Ziel während des Studiums vielleicht mal das Elternhaus verlassen zu können in weite Ferne. Auf die Probleme, wie sich die damit verbundene Notwendigkeit während des Studiums noch Geld zu verdienen auf Studienzeiten auswirkt, will ich hier nicht näher eingehen, den das alles ist nur die spezifisch studentische Wahrnehmung von Wohnungsnot. Ich sage bewußt nicht "studentische Wohnungsnot", denn so etwas gibt es nicht! Wohnungsnot ist und bleibt das gleiche, egal ob jemand studiert, Asyl sucht, aus- oder übersiedelt oder arbeitslos ist. Alle sozial Schwachen sind die Leidtragenden dieser wohnungspolitischen Farce. Die Politik zielt eindeutig darauf ab, das Lager der Betroffenen zu spalten und einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen. Unsere Stärke liegt aber gerade in der Solidarität! Das Problem ist für uns alle dasselbe, deshalb müssen wir auch gemeinsam dagegen kämpfen. Der AStA der GH Siegen erklärt sich solidarisch mit den BewohnerInnen des unteren Wellersberg und allen anderen, die keine Wohnung haben, um ihre Wohnung bangen müssen oder in menschenunwürdigen Containern untergebracht sind. Der AStA erklärt die volle Unterstützung für die Forderungen, die hier aufgestellt worden sind. Solidarität mit allen Betroffenen gemeinsamer Kampf für unser Recht zu Wohnen oder Friede den Hütten Krieg den Palästen!