BASTA, 1. Ausgabe Winter-Semester 1990/91, Oktober '90
[Aufgrund des Fortgeltens einer einstweiligen Verfügung des Verwaltungsgerichts Arnsberg gegen die Studierendenschaft der Gesamthochschule Siegen aus dem Jahr 1990 ist es uns (bei Androhung eines saftigen Ordnungsgelds) untersagt, den Namen des REP-Kandidaten zu nennen. Das VG Arnsberg sah in der Veröffentlichung dieses Beitrags in der BASTA eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Betroffenen. Bei Gelegenheit scannen wir den Beschluss des Gerichts mal ein.]
Na Herr XY, da sind wir aber aufs Maul gefallen. Selbst der Akademiker-Bonus hat nichts genutzt und statt eines sicheren Plätzchens im Parlament, müssen sie nun Spott und Hohn über sich ergehen lassen. Das tut uns leid, aber wer nicht hören will...
Mit dieser Insider-Einleitung sollte Interesse geweckt und Spannung erzeugt werden. Ich hoffe, das ist mir gelungen und ich kann jetzt zum informativen Teil des Artikels übergehen, ohne daß ihr aufhört zu lesen!
Im Vorfeld der Landtagswahlen verdichteten sich die Gerüchte, daß ein Professor des Fachbereichs 5 in Saarbrücken auf einer NPD-Veranstaltung gesprochen haben soll. Das Gerücht wurde zur bitteren Wahrheit, als bekannt wurde, daß Herr XY, seines Zeichens Professor für Wirtschaftswissenschaften im Rahmen der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen für die Republikaner kandidiert. Das ist zunächst mal seine Privatangelegenheit und Berufsverbote wollen wir nicht, also was soll's.
Naja, werden wohl einige sagen, aber die Republikaner sind doch nicht irgendeine Partei, das sind doch so Rechtsextreme. Da haben sie wohl recht und das ist dann auch genau der Punkt, wo Protest anzumelden ist.
Herr XY, kann es denn angehen, daß ein Mann ohne die Gnade der späten Geburt, mit all den Erfahrungen aus Faschismus und Krieg für eine "offensichtlich in weiten Teilen von Altnazis unterwanderte" Partei (frei zitiert nach Herrn Schönhuber, dem ehemaligen Vorsitzenden ihrer Partei) kandidiert.
Herr XY, haben Sie sich mal überlegt, in welcher historischen Kontinuität Sie stehen? Die deutschen Hochschulen waren schon einmal Wegbereiter des Faschismus, was nicht heißen soll, daß Sie einer sind, aber gerade aufgrund dieser historischen Erfahrung hat die Hochschule eine besondere demokratische Verantwortung. Das scheinen Sie vergessen zu haben.
Herr XY, sie sind doch Wissenschaftler, d.h. in ganz besonderem Maße der Rationalität verpflichtet und dem Projekt der Moderne verpflichtet. Wie ist es nur möglich, auf diesem Hintergrund einer antimodernen Partei hinterherzurennen, die sich ihr Programm aus Irrationalitäten und Stammtisch zusammenbastelt.
Nun Herr XY, sind das nicht Fragen über die nachzudenken lohnt? Da haben Sie ja jetzt auch wieder Zeit zu, als gut bezahlter Beamter mit vier Stunden Lehrdeputat, oder nicht?
"XY ist nur ein Symbol für den tendenziell faschistischen Charakter der Hochschule. Die Hochschule ist Teil des kapitalistischen Überbaus und dem Kapitalismus ist der Faschismus immanent." (Ein Autonomer)
"Der Herr XY hat dem Ansehen der Hochschule geschadet." (Eine Stimme aus dem FBR 1)
"Es macht mich seht betroffen, daß ein Mensch, der jungen Leuten etwas beibringen soll, solchen extremen Positionen nachhängen darf." (Eine besorgte Mutter)
"Es gibt keine Wertfreiheit der Wissenschaft. Niemand soll mir erzählen, daß die politische Position eines Professors nicht in den Stoff seiner Veranstaltungen einfließt." (N.N.)