Frauenreferat

BASTA, 1. Ausgabe Winter-Semester 1990/91, Oktober '90

Vielen Frauen scheint nicht bewußt zu sein, daß es an unserer Hochschule seit Jahren eine Einrichtung gibt, für deren Entstehung und Status viele Frauen lange gekämpft haben und die diverse Möglichkeiten der Arbeit an und mit Frauenthemen bietet. Gemeint ist das Autonome Frauenreferat, welches ein kleines Büro neben dem Fachschaftsbüro 2-4 [1(2)-4] hat und dem auch Gelder zur Verfügung stehen, um Veranstaltungen durchzuführen und Materialien zu besorgen.

Nach einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe zum Thema Gen- und Reproduktionstechnik vor drei Semestern, verließen aufgrund der Beendigung des Studiums die meisten, bis dato kontinuierlich arbeitenden Frauen das Frauenreferat und es gab bedauerlicherweise vielleicht auch durch zuwenig Öffentlichkeitsarbeit nicht genug Nachwuchs um produktiv und kreativ weiterzuarbeiten. So wird zwar von den, momentan noch zwei engagierten Frauen der Bürokram erledigt, jedoch kann die Einrichtung als solche nicht mehr sinnvoll genutzt werden. Bedauerlich ist dies insbesondere, weil zum einen das Referat eine Reihe von interessanten Arbeits- und Gesprächsfeldern bietet und zum anderen bisher für viele Frauen Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Hochschulalltag bedeutet hat. Neben festen Bürozeiten, die als Informationsaustausch und Ansprechmöglichkeit sehr wichtig sind und die nur mit mehreren Frauen aufrecht zu erhalten sind, bietet das Referat ein Archiv mit Frauenpublikationen und wissenschaftlichen Arbeiten von Frauen über weitgehendst frauenspezifische Themen. Über die früher recht intensiv geführte Koordination und Planung mit anderen Frauenreferaten, -archiven und -gruppen bundesweit, liegt ein großes Austauschpotential vor, mit dem frau recht schnell eine umfangreiche Arbeitsplattform schaffen kann.

Unser Ziel ist die Schaffung eines festen wöchentliche Termins, wo in gemütlicher Atmosphäre öffentliche Treffen stattfinden, auf denen inhaltlich diskutiert werden kann und weitere Arbeitstreffen vereinbart und vorbereitet werden können. Wünschenswert wären auch die Planung und Organisation von Veranstaltungsreihen, Feten und kulturellen Angeboten. Dabei ist uns der Informationsaustausch mit der Frauenbeauftragten und dem Frauenrat der GH wichtig, zumal eine gemeinsame Vorbereitung der Anti-Paragraph-218-Demo in Bonn am 16.6.90 dieses Bestreben positiv untermauert hat. Wir beabsichtigen zu Beginn des Wintersemesters noch einmal per Flugblatt das Frauenreferat kurz vorzustellen, würden uns aber sehr freuen, wenn bereits im Vorfeld interessierte Frauen an uns herantreten würden, damit eine gemeinsame Planung des Semesters möglich ist. Wir möchten euch per Verteiler zu einem ersten Treffen einladen, dazu wäre es wichtig, daß interessierte Frauen unter dem Stichwort "Frauenreferat" ihre Adresse im AStA hinterlegen, da wir wegen der Semesterferien nicht durchgängig an der Hochschule sind.

Wir fänden es sehr bedenklich, wenn dieses Arbeitsfeld, das auch heute noch keineswegs selbstverständlich ist, in einer hauptsächlich von Männern bestimmten und gelenkten wissenschaftlichen Institution demnächst schließen müßte, mangels Interesse und zeitweiser Gleichgültigkeit und damit Frauen ein ganz wesentliches politisches Arbeitsfeld dauerhaft genommen würde. Und für die Voreingenommenen sei abschließend gesagt: Das Frauenreferat wird von den Frauen bestimmt, die dort mitarbeiten!

Mit schwesterlichem Gruß: Wer zu spät kommt, die bestraft das Leben!