AStA gegen Wohnungsnot und Spekulantentum

BASTA, 1. Ausgabe Winter-Semester 1990/91, Oktober '90

Gesamthochschule Siegen these days: Etwa 2 000 ErstsemesterInnen kommen, davon ein großer Teil von außerhalb!

Im AStA-Büro und beim Studentenwerk ist die Hölle los, Schlangen um die raren Wohnungsangebote und alle die kommen, gehen mit langen Gesichtern wieder raus, um die Information bereichert, daß es auch in Siegen nun seit mindestens anderthalb Jahren Wohnungsnot gibt, daß es auch wenn gerade mal keine 2 000 Leute kommen total schwierig ist, ein kleines Zimmer für 400,- DM zu ergattern.

In der Stadt zur selben Zeit: Stadtverwaltung und Landesentwicklungsgesellschaft arbeiten daran, wie sie am günstigsten die Schnellstraße (HTS) weiter- und neue Parkhäuser drumrumbauen können, wie sie mit dem geringsten Widerstand die Häuser am unteren Wellersberg abreißen und damit gerade billigen, zentral gelegenen Wohnraum zerstören können. Sozialer Wohnungsbau? Da war doch was...

Gleichzeitig im Rektorat der Hochschule: Prima, die Hochschule wird immer größer, jetzt haben wir schon 10 000 Studies, echt gut und mit den Wohnungen, das ist doch alles nicht so dringend, irgendwie wird sich das Problem schon durch Gremiengemauschel und Aussitzen lösen lassen. Nein, die Zeit für Gespräche mit dem AStA ist auch sehr knapp und überhaupt, freut euch doch alle mit, daß so viele Leute nach Siegen kommen.

Das Studentenwerk plant den Neubau von zwei Wohnheimen, die mit etwa 300 Plätzen wenigstes einen Tropfen auf den heißen Stein abgeben und richtet 32 Notunterkunftsplätze im Wohnheim ein.

Die Leute, die jetzt nach Siegen kommen sitzen auf der Straße, rennen sich die Hacken wund auf der Suche nach Wohnungen und prügeln sich mit anderen Wohnungssuchenden vorm Zeitungsschaukasten um die erste Reihe und anschließend um einen Stehplatz in der Telefonzelle, schreiben sich in 1 000 Namen lange Wartelisten für Wohnheime ein...

Diese Situation war abzusehen. Nachdem sich der AStA bereits im April an der Wohnungsdemonstration in Siegen beteiligte, haben wir anschließend versucht, dem Rektorat die Dringlichkeit des Problems klarzumachen. Vor einem Jahr, im September/Oktober '89 war die Lage ähnlich, hat der AStA gegen den Widerstand der Hochschule übrigens selbst Notunterkünfte einrichten müssen, nachdem sich sonst niemand für obdachlose ErstsemesterInnen verantwortlich fühlte. Das hat für uns maßlosen Streß verbunden mit 24 Stunden-Dienst bedeutet, Kulturcafe und Stupa-Raum konnten nicht benutzt werden, weil dort auf Turnmatten unsere hochschuleigenen Obdachlosen lebten. Der Letzte, der dann eine Wohnung fand, war drei Monate unfreiwilliger Stupa-Raum-Schläfer!

Es reicht! Unsere Forderungen sind: