BASTA, 1.Ausgabe Sommer-Semester 1990, März '90
Gegen Ende des letzten Jahres begab es sich, daß sich einige Leute an einem Mittwoch um 17 Uhr ins Kulturcafe begaben, um dort miteinander in ansprechender Atmosphäre einen bereits zuvor angekündigten Themenkomplex zu diskutieren.
Dazu angeregt bzw. eingeladen hatte die DLL. Den Einstieg bildete das Thema "Antifaschismus an der Hochschule". Da die Veranstaltung natürlich nicht unvorbereitet stattfand, war es schnell möglich sehr konkret an den unterschiedlichen Fragen und spezifischen Problemen zu diskutieren, die sich einer/einem AntifaschistIn an der Hochschule stellen.
Im Verlauf der Diskussion, die sich unter anderem um die Rolle der Hochschulen im Nationalsozialismus und die rechten Denkschulen an den Hochschulen in der BRD und Frankreich drehte, stieß mensch mehrmals auf das Problem der Wertfreiheit von Wissenschaft und auf den Begriff der Interdisziplinarität. Dies veranlaßte dazu, in der darauffolgenden Woche, wieder mittwochs um 17 Uhr den Themenkomplex Interdisziplinarität anzugehen. Ausgangspunkte für die Diskussion an diesem Abend waren die Begriffe Interdisziplinarität und Multidisziplinarität. In der sehr angeregten Auseinandersetzung stand die Entwicklung eigener Vorstellungen zu der Uralt-Forderung nach Interdisziplinarität im Vordergrund. Das Besondere an diesen beiden Veranstaltungen war die erfreuliche Tatsache, daß mensch dort Leute fand, die mensch nicht unbedingt schon aus den einschlägigen Organen der studentischen Selbstverwaltung kannte und die aus den unterschiedlichsten Fachbereichen stammten. Es war somit eine Möglichkeit geschaffen, mit einer breiten Öffentlichkeit in (hochschul-) politische Diskussionen einzusteigen und an diesen Auseinandersetzungen teilzuhaben, ohne unbedingt in der studentischen Selbstverwaltung aktiv zu sein, oder sofort in irgendwelche Initiativen, Aktionen etc. eingebunden zu werden. Eine Weiterführung der Mittwochstreffs war zu diesem Zeitpunkt (Ende Dezember 1989) schon beabsichtigt, der Jahreswechsel und die Konstituierung des neugewählten AStA und die damit verbundenen Arbeiten unterbanden jedoch zum Teil die dahingehenden Ambitionen. Das soll anders werden! Der Mittwochstreff soll im Sommersemester wieder zur festen Institution werden und so die Möglichkeit bieten, aktuelle oder grundlegende Diskussionen in einem größeren Rahmen zu führen. Vielleicht wird es so auch einmal möglich, das Vorurteil von den "Politprofis" im AStA und damit verbundene Berührungsängste abzubauen. Thema und Termin des ersten Mittwochstreffs im Sommersemester '90 stehen zur Zeit noch nicht fest, werden aber frühzeitig über ein Flugblatt bekanntgegeben. Mögliche Themen wären unter anderem die Frage, ob die Entwicklung im Computerbereich so laufen mußte, wie sie lief, oder ob bestimmte Interessen eine Entwicklung in nur eine Richtung vorgeben; oder die Fragestellung, inwieweit eine auf das Auto ausgerichtete Gesellschaft die Selbstbestimmung des Menschen einschränkt. Diese zwei Themenkomplexe sind nur zwei von mehreren, um die in letzter Zeit die Diskussion in verschiedenen Zusammenhängen an der Hochschule geführt wurde und die wir gerne vertiefen würden.