Die Nummer 1

[Auch damals wurde schon gerankt! Die Folge war ein riesiger Anstieg der Studi-Zahlen in Siegen. Schlange stehen vor der Mensa? Aber hallo!]

BASTA, 2.Ausgabe Winter-Semester 1989/90, Januar '90

Wie für alle Siegener Studentinnen und Studenten bekannt ist, hat der Spiegel in seiner Ausgabe vom 11.12.'89 unter dem Titel "Welche Uni ist die Beste?" zur Überraschung vieler das Resultat einer Umfrage veröffentlicht, wonach die Lehrqualität auf 51 westdeutschen Hochschulen gemessen und verglichen werden sollte. Nach dieser Umfrage steht die Siegener Gesamthochschule auf Platz eins.

Doch wenn man sich den Artikel ein bißchen näher vor Augen führt, dann wird man weniger vom Ergebnis dieser `Umfrage', als von der Willkür und dem Unterhaltungsgrad der Forschung erstaunt sein. Denn ganz nach amerikanischem Vorbild, wollten der Spiegel und seine Forscher eine Rangliste erstellen, die für das deutsche Bildungssystem gelten soll. Ob es prinzipiell möglich ist und dies technisch-wissenschaftlich zu bewältigen wäre, darüber scheinen sich die Spiegel-Forscher kaum Gedanken gemacht zu haben. Als Legitimation dieser Forschung werden alle Prinzipien der Originalität und Unabhängigkeit der Wissenschaft mit einer Frage ausgerechnet der FAZ: "Gäbe es eine erfreulichere Aussicht als das Ende der altersschwachen Fiktion, alle Hochschulen, alle Fächer und alle Professoren seien gleich?" zunichte gemacht. Dies behauptet jedoch keineR! Wer von dieser Gleichheit ausgeht, macht eben die Vergleichbarkeit auch möglich. Die Rahmenbedingungen, die interne personelle Gestaltung und all die Umweltfaktoren gewährleisten den Hochschulen ihre Originalität und eine persönlichen Status.

Daneben stellte sich die Validität der Technik stark zur Kritik, denn die Forschung hat nicht das gemessen, was sie messen und vergleichen wollte: statt die Lehrqualität der Unis zu messen und miteinander zu vergleichen, hat man den Grad der Zufriedenheit der StudentInnen mit der Hochschule verschätzt! Die Verwechslung der Qualität der Lehrkräfte mit dem Niveau der Rahmenbedingungen wird an dem, vom Spiegel selbst erwähnten Beispiel deutlich: "Mit 1 100 Studenten kommt die Kieler Fakultät auf den fünften Platz, Köln landet mit knapp 9 000 Betriebs- und Volkswirten auf Platz 39".

Die Repräsentativität der Befragten war den Forschern auch egal: können 12 StudentInnen im Hauptstudium die Meinung von 1 100 Betriebs- und Volkswirten der Kieler Fakultät vertreten? Können mit dieser Zahl, Merkmale wie Geschlecht, Wohnort, Semesterzahl usw. (die eine Rolle in der Beurteilung spielen) berücksichtigt werden? Wäre es letztendlich nicht vernünftiger, den auch von der Regierung und Möllemann anerkannten bundesweiten Protest der StudentInnen im letzten Jahr auszuwerten und zu analysieren?