BASTA, 2.Ausgabe Winter-Semester 1989/90, Januar '90
Im Mai letzten Jahres trafen sich über 500 Menschen aus mehreren Initiativen zum 7. Bürgerinitiativen-Verkehrskongreß unter dem Motto "Ausstieg aus der Autogesellschaft". Über die Notwendigkeit dieses Ausstiegs gab es keinen Zweifel. Verkehrstote und -verletzte, Lärm, Abgase, Energieverschwendung usw. usw. zeigen, daß das Auto die Gesellschaft in eine Sackgasse geführt hat, aus der es wieder herauszukommen gilt. Eine halbe Million Menschen starben in den letzten 25 Jahren im, am und durch das Auto in der BRD. Alljährlich sind über 8 000 Tote zu verzeichnen. Weltweit sterben jährlich ca. 400 000 Menschen im Straßenverkehr, daß ist ein Toter alle 90 Sekunden!
Der Straßenverkehr ist maßgeblich beteiligt an Waldsterben und Treibhauseffekt. 100 bis 150 Milliarden DM an gesellschaftlichen Folgekosten produziert der Autoverkehr pro Jahr in der BRD durch Lärm, Flächenverbrauch, Luftverschmutzung und anderen Umweltkosten.
Eine wichtige Forderung, die auf dem Kongreß diskutiert und verabschiedet wurde, ist der deutliche Abbau öffentliche und privater Parkplätze, um den nötigen Freiraum für städtisches Leben wiederzugewinnen und um Autoverkehr zu reduzieren. Untersuchungen zeigen deutlich den Zusammenhang zwischen Parkraum-Angebot und Verkehrsmittelwahl: in Regionen mit vielen Abstellplätzen wird der öffentliche Personennahverkehr wenig genutzt und umgekehrt.
Der Parkplatzbau verdrängt immer auch andere Nutzungsansprüche. Für ein Auto werden inklusive Anfahrtsweg 25 m2 Fläche benötigt, Platz für 5 spielende Kinder! Finanziert werden Hochschulparkplätze aus dem Bildungsetat, der eh schon knapp bemessen ist. So betragen die reinen Baukosten (ohne Grundstückskosten) für einen Stellplatz im Parkhaus 18.000,- DM; wieviel kostet eine Kindertagesstätte?
Unser Motto muß deshalb lauten: Parks statt Parkplätze, Seminarräume statt Parkhäuser, ÖPNV statt Autowahn!