Der Schatz in der Mülltonne

BASTA, 1. Ausgabe Sommer-Semester 1989, April '89

"Die Deponietechnik in der Bundesrepublik bis 1972 (Verabschiedung des Abfallbeseitigungsgesetzes) kann bezeichnet werden, als das Zeitalter von Einfalt und Glaube, welches dann durch das Zeitalter von Ignoranz und Hoffnung abgelöst wurde."(Dipl.Ing. Stief, Umweltbundesamt)

Diese Einschätzung kann ohne weiteres auf die gesamte Abfallwirtschaft der BRD übertragen werden. Viele Probleme werden verdrängt, verharmlost und einseitige technokratische Lösungen (Müllverbrennung) propagiert. Doch wie im Bereich der Luftverschmutzung, der Bodenverseuchung, dem Waldsterben usw. reicht es nicht, Einzelaspekte herauszugreifen bzw. nur an Symptomen herumzudoktern, sondern es müssen Kreisläufe bedacht, Gesamtkonzepte entwickelt und durchgesetzt werden. So können Einzelmaßnahmen sich in ihrer Wirkung sogar umkehren und eine umweltschonende Müllpolitik konterkarieren: Die Müllverbrennung erzeugt den Sachzwang Kunststoffe und Papier nicht getrennt zu sammeln, sondern mitzuverheizen; die Altglassammlung beruhigt das Gewissen und verdrängt die Mehrwegflasche; das "perfekte" Recycling verhindert die Sinnfrage; welche Produkte sind wirklich sinnvoll, welche nicht! Die Abfallvermeidung muß in allen Konzepten an erster Stelle stehen, wobei auch Produktionsverbote diskutiert werden müssen. Doch die Verpackungsindustrie, die Chemieindustrie, große multinationale Konzerne (der Staat darf sich nicht erpressen lassen!) haben eine starke Lobby und nur ein starker öffentlicher Druck und das Engagement jeder/jedes Einzelnen, als boykottierende bewußte VerbraucherIn, als kritische fordernde WählerIn, als verweigernde nachfragende GebührenzahlerIn, als Einspruch und Klage erhebende BürgerIn, als aufmerksam widersprechende LeserIn macht ein Umdenken, Umlenken möglich.

Eine Reihe von Forderungen an den Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene ergeben sich: