VOLLSTOFF, 3.Ausgabe, Januar '89
An dieser Stelle sollte, so war es mit einem Vertreter des Graduiertenkolleg sowie mit einem studentischen Vertreter der Gegenposition vereinbart, jeweils ein Artikel zum Thema `Graduiertenkolleg - Elitebildung?' stehen. Beide Seiten haben ihre schriftlichen Positionen nicht abgeliefert. So weit, so schlecht. Somit muß sich der geneigte Leser mit einem ausgesprochen subjektiven Bericht eines der Teilnehmer aus dem alternativen Seminar `Graduiertenkolleg - Elitebildung?' begnügen.
Vorab ist zu bemerken, daß der Streikrat sehr überrascht war, als sich auf der GVV am 24. Januar aus der Studentenschaft Protest gegen die Solidaritätsaktion des Graduiertenkollegs zum studentischen Streik formierte, da sich der Streikrat eigentlich erst einmal darüber gefreut hatte, daß sich das Graduiertenkolleg mit dem Streik solidarisch erklärte. Auf der GVV wurde nun deshalb scharfe Kritik am Streikrat geübt, mit der Intention, das Graduiertenkolleg sei eine elitäre, abgehobene Eliteschmiede, die mit den Studies nun aber auch gar nichts zu tun hat.
Da dies auf der GVV nicht geklärt werden konnte, wurde oben genanntes Seminar eingerichtet. Bemerkenswert am Verlauf des Seminars, das wohl besser als `Podiumsdiskussion' umschrieben ist (Spezialisten diskutieren, StudentInnen staunen), war, daß von Seiten der Studies ein bemerkenswertes Informationsdefizit über die Rolle und die Möglichkeiten des Graduiertenkollegs bestand. Soweit war die Veranstaltung recht informativ. Was jedoch einen nicht unwesentlichen Anteil des Seminars in Anspruch nahm, war der Austausch von Expertenworthülsen zu postmoderner Theorie oder den systemtheoretischen Ansätzen eines Niklas Luhmann im Gegensatz zu sog. "habermaserianischen" (Zitat!) Ansätzen und welchen dieser Ansätze das Graduiertenkolleg nun bevorzugt. Der Unwissende staunte und getraute sich nicht zu fragen, wer denn dieser Luhmann nun eigentlich ist. Somit, nix von neuer Art des Lernens!