Riesenhuber in Siegen

VOLLSTOFF, 2.Ausgabe, Januar '89

Riesenhuber und die High-Tech-Forschung

Das BMFT betreibt auch offen militärische Forschung. Militärische, Luftfahrt- und Weltraumforschung machen in seinem Gesamthaushalt einen Batzen von 34% aus. Militärische Forschungsinteressen werden vielfach als zivile Forschungsvorhaben getarnt, auch werden reell zivile Projekte später für militärische Zwecke ausgewertet. So hat die Weltraumforschung der BRD einen außerordentlichen Wert, nicht nur haushaltspolitische und ökonomische, sondern vor allem auch militärische Konsequenzen, über die sich Riesenhuber im Bundesforschungsbericht aber lieber ausschweigt. Die sind ja auch geheim.

Rein militärische Forschung macht immer noch das wichtigste Fördergebiet des Ministeriums aus, danach rangieren Weltraumfahrt und Luftfahrt, beide auswertbar für "Verteidigungsinteressen". Hier wird deutlich, wie stark die Gewichtung für immer neue Rüstungsgüter in den Bereich des Forschungsministeriums fällt. Weiteres Beispiel dazu ist die ebenfalls mit Spitzenrang geförderte Biotechnologie. In diesem Bereich sind 1986 an drei "Genzentren" im Bundesgebiet 300 NachwuchswissenschaftlerInnen ausgebildet worden. Der Forschung werden darüber stetig politisch und arbeitsmäßig "zuverlässige" Nachwuchskräfte garantiert. Im Rahmen biotechnologischer Forschung läuft an einer Hochschule in der BRD beispielsweise das Projekt Milzbrandbakterien, daß die Bundeswehr in Auftrag gegeben hat. Unzuverlässige B-WaffenForschung in Drittmittelfinanzierung also. Dafür bildet das BMFT aus.

In der Atomkraftpolitik fährt die Bundesregierung weiter den alten Kurs "straight nach vorne, deutsche AKWs sind sicher!"... Nach Tschernobyl allerdings wird mehr Geld auch in Sicherheitsforschungen (mit Alibicharakter, d.S.) investiert. In der Genforschung profiliert sich das Forschungsprogramm des BMFT weiter durch Akzeptanzförderung für Genprojekte, so sollen per EG-Richtlinie künftig Freilandversuche mit manipuliertem Zellmaterial erlaubt sein.

Cash von der Industrie

Hochschule zwischen Autonomie und Einflußnahme Das BMFT bezeichnet die Hochschulen als " Fundamente der Forschung" und begründet diese Aussage damit, daß von den 1987 im Inland getätigten Forschungs- und Entwicklungsausgaben des öffentlichen Sektors von 20,2 Mrd. DM etwa ein Drittel für die Hochschulen eingesetzt wurden.

Dieser Anteil schrumpft aber im Gesamtbundesbudget " Forschung". Während der Forschungsetat zwischen 1981 und 1987 um 45% wuchs, nahmen die Hochschulmittel nur um 21% im gleichen Zeitraum zu. Von allen Mitteln im Topf machten die Hochschulen dabei 1962 noch 20%, 1987 nur noch 12,5% aus! Gegenwärtig stammen zwei Drittel aller "öffentlichen" Forschungsmittel der Hochschulen aus deren normalen Etats, 34% wurden den sog. "Drittmitteln" zugerechnet, also Einnahmen aus der Wirtschaft. Diese Mittel können von den Hochschulen nur in Forschungsbereichen eingesetzt werden, die für die Industrie von Interesse und Bedeutung sind. Sie haben dort natürlich einen höheren Einfluß auf die Einzelbilanzen der Fachbereiche oder Institute, als im Mittel.

Mildtätigkeit kann man der deutschen Industrie sicherlich nicht unterstellen wie bei einer Auftragsvergabe schießt die Industrie Gelder in bestimmte Forschungsvorhaben, um dann die Ergebnisse, die nicht veröffentlicht werden müssen, für den eigenen Einsatz zu verwerten. Die Autonomie der Hochschulen sinkt also mit der Zunahme der Drittmittelförderung.