VOLLSTOFF, 1.Ausgabe, Januar '89
Landesweit werden die Studienbedingungen an den Hochschulen schärfer. Die Schmerzgrenze ist längst überschritten. Nicht nur die finanziellen Rahmenbedingungen des Einzelnen, sondern auch die organisatorischen Bedingungen (Überfüllung, Verschulung, usw.) sind unerträglich geworden. Die Auswirkungen an den Hochschulen sind unter anderem starker Konkurrenzdruck und Einzelkämpfermentalität. Das Ergebnis ist die völlige Anpassung an den politischen und gesellschaftlichen Einheitsgeschmack, oder völlige Resignation. Allzu oft erschöpft sich unser Tun in purer Anpassung und dem daraus resultierenden "Ellenbogen-Studium".
Sind wir aber nicht vielmehr aufgefordert, durch Auseinandersetzung mit der uns umgebenden Situation wirksame und weitreichende Veränderungen anzustreben, Notstände anzuprangern und uns für eine Erneuerung der Gesellschaft einzusetzen?
Dürfen wir noch länger Schweigen und den politischen und gesellschaftlichen Ruin hinnehmen?
Warum werden keine Antworten auf die brennenden Fragen unserer Zeit von der, dazu doch prädestinierten StudentInnenschaft formuliert? (Wo doch schon so oft weitreichende politische und gesellschaftliche Veränderungen von StudentInnen ausgingen.)
Sind Intellektualität und die Bildung einer aussagekräftigen Meinung verrufen und out in der StudentInnenschaft?
Sind dafür nicht auch die Bedingungen an den Hochschulen verantwortlich?
Können wir uns angesichts der politischen und gesellschaftlichen Schlüsselstellung des StudentInnen auf die faule Ausrede "keine Zeit" berufen?
Muß nicht das Selbstverständnis der Studierenden in Bezug auf die Gesellschaft und den Einzelnen wieder Thema werden?