Sexismus an der Gesamthochschule

VOLLSTOFF, 1.Ausgabe, Januar '89

Das heißt nicht nur dumme Sprüche von Kommilitonen, das heißt auch sexistische und rassistische Sprüche der Dozenten in Vorlesungen und Seminaren.

Das heißt, sich in Veranstaltungen anhören zu müssen, daß dieses Thema für Frauen eh nichts ist und diese sich deshalb zu Hause am Herd zu befinden hätten.

Das heißt, daß in Vorlesungen dem allerbanalsten und dümmsten Beispiel ein "meine Damen bitte aufgepaßt" vorangestellt wird.

Das heißt, daß Frauen von Kommilitonen und Dozenten begrabscht werden.

Das heißt, daß Frauen in allen Studiengängen der GH als Lehrende unterrepräsentiert sind, obwohl in einigen Studiengängen die Mehrheit der Studierenden Frauen sind.

Das heißt, daß zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen hauptsächlich dann geforscht wird, wenn es darum geht Frauen möglichst effektiv in die Verwertungsinteressen des Kapitals miteinzubeziehen. Ergebnisse feministischer Forschung werden konsequent nicht in die Lehre einbezogen.

Männer, die Kriegsdienst geleistet haben, werden bei der Vergabe von Studienplätzen bevorzugt. Das heißt ein Verdrängen von Frauen aus allen Studiengängen, die auch für sie attraktiv wären.

Das heißt, daß auch auf dem Gelände der GH Vergewaltigungen vorkommen.

Das heißt, daß an der GH über manche Dinge verdammt wenig nachgedacht wird!

Zur Situation der Frauen an den Hochschulen:

Frauenanteil in den jeweiligen Bereichen in Prozent: Studienanfänger 44% Abschlußprüfungen 35% Promotionen 26% Assistenten 12% Habilitationen 8% C4-Professoren 2%

Was feministische Wissenschaftskritik ausmacht, ist nicht mit einer kurzen Bemerkung zu umreißen. Ihre Wurzel hat sie jedoch wesentlich in einem Unrechtsbewußtsein von Freuen, ihre Voraussetzung ist die Kritik und der Widerstand gegen das Geschlechterverhältnis, welches sich in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen in unterschiedlicher Weise manifestiert. Feministische Wissenschaftskritik ist keine Spezialdisziplin, sondern unabdingbar mit der Kritik am patriarchalen Gesellschaftssystem verbunden. Forschung zur Situation von Frauen in Gesellschaft, Beruf und der Wissenschaft, sowie historische Frauenforschung an der Uni, die von den Herrschenden systematisch unterbunden werden!

"Die Universität ist weiterhin eine der rigidesten, ängstlichsten und aggressivsten Einrichtungen, wenn es um die Verteidigung des patriarchalen Denkerbes geht und darum, Frauen als denkenden Wesen Wort, Raum und Geld zu geben." (Christiane Thürmer-Rohr, taz, Jan. 89)

Stellenstreichungen, Finanzmittelkürzungen und verschärfte Studienbedingungen tun ihr übriges. Wir wollen uns deshalb mit den folgenden Forderungen auseinandersetzen: