Streik! Warum denn ausgerechnet Streik?

VOLLSTOFF, 1.Ausgabe, Januar '89

[Vollstoff: Streikzeitung der Studierenden an der GH Siegen]

Streik an der Gesamthochschule! Zugegeben eine ungewöhnliche Kombination. Streik scheint ausschließlich ein Kampfmittel der ArbeiterInnen zu sein, ihre Forderungen durchzusetzen, indem sie ihre Arbeitskraft verweigern.

Wenn StudentInnen streiken wollen auch sie ihre Forderungen durchsetzen (logo!), aber in der Gestaltung sieht ein studentischer Streik anders aus. Wir verweigern unsere Arbeitskraft nämlich nicht, sondern lassen die Arbeitskraft der Dozenten ins Leere laufen; machen damit ihre Arbeit (zumindest für den Zeitraum des Streiks) unnötig. Zweitens schafft erst ein Streik für uns die Möglichkeit, den Freiraum unsere Arbeitskraft in selbstorganisierten Seminaren einzusetzen. Deshalb ist es für den Erfolg eines Streiks genauso wichtig, daß ihr euch an den Alternativ-Veranstaltungen und Aktionen beteiligt, wie auch an dem Boykott der Veranstaltungen. Streik ohne Beteiligung an den Alternativ-Seminaren ist wie Blaumachen und das machen viele von uns ja öfters, weil viele Veranstaltungen auch ohne Streik für den Arsch sind! selbstorganisierte Seminare

Ein weiterer Punkt der für einen Streik spricht, ist gerade der Aspekt, daß es für Studenten und Studentinnen eine ungewöhnliche Aktionsform ist. Das garantiert uns in dieser Mediengesellschaft ein gewisses Maß an Öffentlichkeit. Öffentlichkeit ist für uns, die wir nicht über Flick-Millionen verfügen das einzige Druckmittel um Einfluß zu gewinnen. Einfluß gewinnen ist allerdings ein recht langwieriger Prozeß. Der Streik am Mittwoch kann nur der Anfang sein, mit dem wir die "Provinz voller Leben" ein bißchen durcheinanderwirbeln. Im Sommersemester geht's dann weiter! Am Mittwoch ein Zeichen setzen! Streiken um