Atompolitik mit Fliege

VOLLSTOFF, 2.Ausgabe, Januar '89

[Für die Jüngeren: Riesenhuber, damaliger Bundesforschungsminister, bestach stets durch die demonstrativ getragene Fliege.]

Zur Zeit bemüht sich die Atomindustrie in Norddeutschland um die Zulassungsgenehmigung eines sog. "HTP-Moduls". Dahinter verbirgt sich ein kleiner Atomreaktor, der als dezentrale Energiequelle zum Beispiel für Industrieanlagen dienen soll (frei nach dem Motto "jedem sein Atomkraftwerk!"). Außerdem sind auch gerade Exporte dieses Mini-Reaktors geplant - denkt an die AKW-Exportvereinbarung gerade mit der UdSSR (deutsche AKWs sind nun mal sicher!, d.S.) Ende letzten Jahres! Der Bundesminister fährt diese Linie der Unterstützung strahlend dreist weiter und sieht überhaupt keine Notwendigkeit eines Umdenkens. über die berechtigten Einwände und ängste in der Bevölkerung setzt er sich arrogant hinweg (ein Markenzeichen von Politikern in letzter Zeit, irgendwie tiefflugmäßig...). Gerade nach Tschernobyl, Hanau, Biblis... Hinzu kommt die gänzlich ungeklärte Frage der Entsorgung des tagtäglich anfallenden radioaktiven Abfalls, der Generationen nach uns unendlich lange bestrahlen wird (wenn wir mal ein Menschenleben als Vergleich zugrunde legen) (was ist schon ein Menschenleben gegen ein AKW? S. Brokdorf, Wackersdorf..., d.S.)!

Diese Politik ist unverantwortlich!!!

Wir fordern die sofortige Umleitung der Milliardenbeträge aus der Atomindustrie in die Entwicklung und Erforschung von in letzter Zeit bewußt vernachlässigten alternativen Energietechnologien. Die Bereitschaft, solch Energien zu fördern, ist zur Zeit noch als reine Beschwichtigungspolitik zu verstehen. Es müssen weiterhin Forschungen in Richtung Energiesparen in allen erdenklichen Bereichen angestellt werden. Wir fordern Minister Riesenhuber auf, sich nicht "atommafiamäßig" aus der Verantwortung zu stehlen, die wir hier von ihm fordern. Das heißt: