In der Türkei werden Menschenrechte gebrochen, Staatskritiker inhaftiert und gefoltert. Entgegen anderslautender Äußerungen der Bundesregierung wird in der Türkei die Demokratie mit Füßen getreten, die deutsche Bevölkerung wird durch falsche oder geschönte Presseveröffentlichungen in die Irre geführt. Das türkische Militärregime wird durch die deutsche Kumpanei anerkannt und ihr menschenunwürdiges Handeln bestätigt.
Ohne Proteste seitens der Bundesregierung oder einer größeren Öffentlichkeit kann in diesem kameradschaftlichen Klima die türkische Junta selbst die wenigen um den Preis des Lebens zahlreicher Gefangenen erkämpften Rechte und Hafterleichterungen der politischen Gefangenen am 1. August diesen Jahres wiederaufheben.
Seit einem Monat befinden sich 2.000 politische Häftlinge in der Türkei im Hungerstreik, um eine Verbesserung der Haftbedingungen wieder zu erreichen. Der Hungerstreik hat sich auf Familienangehörige der Gefangenen, verschiedene Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen und Parteien in der ganzen Türkei verbreitet. Auch eine Gruppe türkischer Studenten der Gesamthochschule Siegen unterstützt diese Forderung durch einen Solidaritätshungerstreik.
Wir begrüßen diese Aktion und hoffen mit unseren
Kommilitonen, daß dadurch in der Siegener StudentInnenschaft
und darüber hinaus Betroffenheit geweckt wird und die Zustände
in der Türkei öffentlich angeprangert werden.
Siegen, den 29. November 1988
In Deutschland meinen Leute, in der Türkei mache die Entwicklung der Demokratie große Fortschritte. So berichten die Medien hier. Die Wirtschaftsbeziehungen sind gut, die Militärkontakte zum NATO-Partner Türkei funktionieren reibungslos.
In der Türkei befinden sich seit über 40 Tagen mehr
als 2000 Inhaftierte im unbefristeten Hungerstreik. Familienangehörige
der Gefangenen, verschiedene Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen,
Parteien und mehr und mehr die Studentenschaft in der Türkei
schließen sich diesem Hungerstreik an. WARUM?
Seit dem 1. August 1988 zeigt das Militärregime in der Türkei,
daß sich am 12.09.1980 an die Macht gepuscht hat, wieder
sein wahres Gesicht. Mit der Deklaration vom 1.8.88 wurden alle
Rechte, die sich die Gefangenen erkämpft hatten, wieder aberkannt.
Alle Informationsmöglichkeiten für die Inhaftierten
(Radio, Fernsehen, Zeitung) wurden blockiert. Die Besuchszeiten
wurden radikal gekürzt. Die Verteidigerrechte werden massiv
eingeschränkt. Durch Foltermethoden versucht man das Selbstbewußtsein
der Gefangenen zu zerstören. Erklärtes Ziel dieser Aktion
ist die Umerziehung zu einem politischen Einheitsmenschen.
Dagegen protestieren die Insassen in den Gefängnissen Ankara, Istanbul, Adana, Diyarbakir, Ceyhan, Gaziantep, Malayta, Amasya, Canakale, Mudanya, Erzincan, Eskisehir, Kahramanmaras, Ergani, Kayseri, Bandirma und Buca.
Dagegen protestieren auch wir, Studenten der Universität-Gesamthochschule Siegen aus der Türkei. Darum treten wir in einen Solidaritätshungerstreik und fordern alle Kommilitoninnen und Kommilitonen auf:
Darum unser Hungerstreik aus Solidarität!