AStA-Inform Ausgabe 20, 23. April 1998

(letzte Ausgabe des DLL-AStAs)

Verabschieden

muß sich der amtierende DLL-AStA mit dieser letzten Ausgabe von AStA-Inform. Auf der nächsten StuPa-Sitzung am 28. April wird vermutlich ein bürgerlich-konservativer AStA gewählt, der von RCDS, LHG und der Individualistengruppe "Abakus" getragen wird.

Auch wenn wir künftig den AStA nicht mehr stellen, wünschen wir uns und Euch natürlich ein erfolgreiches verbleibendes Semester und viel Spaß mit dem neuen AStA.

Schön wär's gewesen,

wenn DLL und sozialistische Schwesterorganisationen den AStA weiter hätten stellen können. Nach den Wahlen allerdings war klar, da0 sich die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des bürgerlich-konservativen Blocks verschoben haben. Und nach langer Abstinenz lassen es sich der RCDS, die LHG und "Abakus" natürlich nicht nehmen, auch einmal ein bißchen Verwaltung zu spielen. Ihre lange Untätigkeit im Studierendenparlament, die Unkenntnis der Hochschulstrukturen und der Organe der Studierendenschaft, wollen dieser Gruppen dadurch aufwiegen, daß sie nicht nur versuchen, den AStA zu stellen, sondern auch alle wichtigen Ämter im StuPa auf sich laden. Der neue StuPa-Sprecher wird von der LHG, sein Stellvertreter vom RCDS gestellt. So viel Engagement in Ehren, wäre es nicht in all den Jahren üblich gewesen, daß der StuPa-Sprecher gerade nicht von den AStA-tragenden Listen gestellt wir. Es hat den Anschein, als gäbe es so etwas wie die Gelassenheit des Siegers in den Reihen des bürgerlich-konservativen Blocks ebensowenig wie das Verständnis der Trennung von Exekutivorgan AStA und Legislativorgan StuPa. Einfacher ausgedrückt: Es ist schon mehr als verwunderlich, daß RCDS und LHG sowohl StuPa als auch AStA kontrollieren wollen. Soviel zum Thema Gewaltenteilung. Setzen, sechs.

Besser

wird jetzt sowieso alles, wen der verhaßte DLL-AStA gestürzt ist und die neuen Mehrheitskräfte die Brücke übernommen haben. Geplant ist laut AStA-Organisationskonzept des bürgerlich-konservativen Blocks folgendes:

Hoppla, es gibt ja noch gar kein Konzept (Stand: 23. April, 9.30 h). Natürlich wird sich der neue AStA an den Wahlversprechen der ihn tragenden Gruppen messen lassen müssen. Es ist nämlich eine Sache, mit dem Semesterticket bis nach Köln fahren zu wollen, aber eine andere, wider besseres Wissen zu behaupten, solche Forderungen seien auch durchsetzbar. Wie hat es der Chef der örtlichen Verkehrsbetriebe VWS einst anläßlich der Semesterticket-Verhandlungen formuliert? "Wir fahren Sie in goldenen Bussen auf den Mond und zurück - vorausgesetzt, Sie sind in der Lage, das zu bezahlen."

Eine Kostprobe

auf das, was demnächst als AStA-Öffentlichkeitsarbeit auf uns zukommt, sollte wohl das RCDS-Info, Sommersemester 1998, Ausgabe 1 sein. Unter dem Titel "Hast Du schon gewählt - Ein typischer Tag am Wahlkampfstand" war in obengenanter Flugschrift nachzulesen, wie ernst es den VerfasserInnen mit journalistischer Arbeit ist. Ganz im Stile eines Erlebnisaufsatzes der vierten Klasse taten die VerfasserInnen kund, wie aufregend so ein Tag am Wahlkampfstand doch sein kann: daß man deswegen Termine, auch wichtige, verpaßt, von Freunden mit Kaffee und Kuchen versorgt wird oder sich mit Leuten im Standarddialog unterhält, sich aber trotzdem keine Wähler schenkt, was immer das auch bedeuten mag.

Danach kann eigentlich nichts mehr kommen, außer vielleicht einem aufregenden Erlebnisaufsatz über den gefährlichen und kräfteverzehrenden Dienst im AStA-Shop, der dann ungefähr so aussehen dürfte:

Hast du schon eingekauft?
Ein typischer Tag im AStA-Shop

Seit zwei Wochen ist der Alltag der RCDSler von einem wichtigen Termin bestimmt: Von 11 bis 12 Uhr ist verkaufen angesagt. Neben einer gehörigen Menge Streß - viele Vorlesungen und andere Termine, auch wichtige, bleiben auf der Strecke - bedeutet dies aber auch eine ganze Menge Spaß. Unsere Freunde von der LHG kümmern sich immer rührend mit Kaffee und Kuchen um uns, und wir versorgen sie dafür mit Schreibmaterial und allem, was man sonst noch so braucht. Nur eines will man sich allerdings nicht schenken: die Kunden. Und so heißt es zwar oft: "Hauptsache, Du kaufst überhaupt ein!" (was auch eines unserer Hauptanliegen ist, um die Umsatzzahlen auf ein vernünftiges Maß zu steigern), aber eigentlich will doch jeder seine eigene Position stärken.

Alle Leute, die an uns vorbeigehen, werden angesprochen, und so entwickelt sich irgendwann folgender Standarddialog:

RCDSler: 'tschuldigung, dürfte ich Dir mal eine Frage stellen?

Kunde: Hä??

RCDSler: Hast du schon eingekauft?

Kunde: JA!

Darf ich Dir dann trotzdem etwas anbieten?

Den Rest wollen wir uns sparen.

Volles Haus

war diesen Montag angesagt. Anläßlich der konstituierenden Sitzung des 26. Studieredenparlaments (StuPa) hatten sich Trauben interessierter Studierender im StuPa-Raum versammelt, um sich die bürgerlich-konservative Mehrheit live anzusehen. Und was den ZuschauerInnen geboten wurde, übertraf selbst kühnste Erwartungen. Ein Geschäftsordnungsantrag jagte den anderen, eine inhaltliche Gegenrede folgte der nächsten. Allerdings hatte der konservative Block seine Hausaufgaben nur halbherzig gemacht, denn es reicht offenbar nicht, die Grundordnung durchzubüffeln, wenn man nicht in der Lage ist, einen formal und inhaltlich korrekten Antrag auf die Beine zu stellen. Aber zur Not hat man ja die Mehrheit, mit der man ruhig jeden Schrott durchstimmen kann.

So forderte ein Antrag von LHG und RCDS den AStA auf, ab sofort alle Zahlungen mit Ausnahme der Aufwandsentschädigungen und Zahlungen im Zusammenhang mit Shop und Kopierbetrieb einzustellen.

Neben der formalen Unzulässigkeit - es müßte ein Nachtragshaushalt erstellt werden, wobei auch der Haushaltsausschuß zu beteiligen ist - bleibt es das Geheimnis der bürgerlich-konservativen Kräfte, wie mit einem solchen Beschluß die Geschäfte der Studierendenschaft weiterzuführen wären. Anscheinend wünscht sich der RCDS für das Aufkleben jeder Briefmarke eine gesonderte StuPa-Sitzung. Oder hat der RCDS im Sinn, das Semesterticket zu kippen, wenn mit einem solchen Beschluß die Zahlungen an VWS und Bahn eingestellt werden müßten?

Vorsorglich hat der AStA u. a. aus eben jenen Gründen rechtliche Bedenken geäußert, die bei RCDS und Anhang aber kein Gehör fanden. Aus diesem Grund muß der vom AStA formal beanstandete Beschluß dem Rektorat zur Prüfung vorgelegt werden. Bis dahin ist die Ausführung des Beschlusses nach dem Universitätsgesetz ausgesetzt.

Es bleibt abzuwarten, welch krude und krumme Geschichten auf den nächsten Sitzungen noch passieren werden.

Komisch

müssen Comics nicht unbedingt sein. Wenn ein Comic aber nicht nur nicht witzig, sondern auch noch schlecht gemacht ist und zudem rechtsextremistisches Gedankengut verharmlosend darstellt, dann ist das sozusagen überhaupt nicht mehr komisch. Um genau diese Art von Comic handelt es sich bei Peter Schulzes Machwerk "Geschichte des Siegerlandes", das seit Anfang des Jahres in Siegen und Umgebung kursiert. Aus diesem Grund beschäftigte sich am Montag das StuPa auf Anregung der AntiFa-AG mit dem Comic und faßte den Beschluß, Aktionen zur Verhinderung der Verbreitung dieses Comics zu unterstützen. Gleichzeitig wurde der AStA beauftragt, die Sachlage in weiteren Gremien der Hochschule zu thematisieren. Leider konte sich das StuPa nicht dazu durchringen, den AStA auch mit der logistischen Unterstützung der AntiFa-AG zu beauftragen. Was wohl nichts anderes heißt, als daß es die konservativ-bürgerlichen Kräfte trotz aller unheimlichen Betroffenheit bei Lippenbekenntnissen belassen wollen.

Liebgeworden

sind den Studierenden wohl doch einige Errungenschaften des noch amtierenden AStAs, der von DLL, LUMBA, UL-AES und ULEI getragen wird. Und aus genau diesem Grund wollen wir diese ganz nonchalant zur Sprache bringen, bevor einige sie vergessen und es nachher heißt, daß man ja von nicht gewußt habe.

Das AStA-Büro ist derzeit (noch von 9.00 bis 16.30 Uhr täglich geöffnet.

Die Shop-Öffnungszeiten im Semester: (noch) täglich von 9.30 bis 14.30 Uhr.

Die Sozialberatung findet derzeit (noch) dienstags bis freitags von 9.00 bis 12.30 Uhr statt. Warum nicht montags? Weil da von 9 bis in der Regel 12 Uhr (noch) die öffentliche AStA-Ratssitzung stattfindet, an der alle ReferentInnen teilnehmen; nur ein AStA-Mensch wird (noch) jeweils abgestellt, um für euch den Shop (s. o.) zu öffnen.

Der AStA ist derzeit (noch) Ansprechpartner für die Autonomen Referate, die Fachschaften und die studentischen Initiativen. Der AStA ist derzeit (noch) Ansprechpartner für die interessierte studentsiche Öffentlichkeit.

Der AStA pflegt derzeit (noch) das Konzept der offenen Tür: wer ein Problem hat, der/dem kann im AStA geholfen werden. Und (noch) ist es auch möglich, vorbeizukommen, ohne ein Problem zu haben oder zu bekommen.

Bus und Bahn

fahren könen die Studierenden mit dem Semesterticket seit einigen Jahren für einen relativ geringen Preis. Der AStA steht fast jedes Jahr mit Bahn und VWS in Verhandlungen, um die Semesterticketbeiträge so niedrig wie möglich zu halten. Das Problem dabei ist leider, daß Bahn und vWS den Studis jedes Jahr aufs Neue ans Portemonnaie wollen. In diesem Jahr wollten die VWS zunächst fast 7 % mehr als im Jahr zuvor. Dank des Verhandlungsgeschicks der studentischen Semesterticketverhandlungskommission unter Matze Streif (UL-AES), Markus Grebe (DLL), Thomas Reincke (GAU) und Matthes Pfeiffer (DLL) konnte die Erhöhung des Semesterticketbeitrages auf weniger als die Hälfte der Forderungen gedrückt werden. Der Vertragsabschluß steht zwar noch ins Haus, eine massive Erhöhung konnte nach dem derzeitigen Stand der Dinge aber abgewendet werden.

Das Licht

ausmachen tut in der Regel der oder die letzte. Als DLL-AStA möchten wir uns hiermit von Euch verabschieden: In der Hoffnung, daß Ihr Spaß bei der Lektüre der Serie von mittlerweile 20 Ausgaben von AStA-Inform hattet, die seit Mai 1996 auf die geschätzte studentische Öffentlichkeit losgelassen wurden. Bei denjenigen, denen wir auf die Füße getreten haben, werden wir uns nicht pauschal entschuldigen, sondern ihnen auch weiterhin auf die Füße treten, wenn sie es verdient haben.

An dieser Stelle einige Auszüge aus unserem Abschiedsbrief an Fachschaftsräte, Verwaltung, Presse etc.: "Vor allem bedanken wir uns bei den MitarbeiterInnen der Verwaltung, von denen stellvertretend für viele Frau Hillebrandt, Herr Moog, Herr Leyendecker, Herr Schulte, Herr Kämpfe, Herr Brücher, Herr Stötzel, Herr Bener, Herr Becker, Herr Kretschmann, Herr Fengler und Herr Bercx genannt seien. Ohne ihre Unterstützung wäre unsere Arbeit nur mit wesentlich höheren Belastungen möglich gewesen.

Die Bediensteten des Studentenwerks Siegen, insbesondere die aus dem Bereich der Verpflegungsbetriebe, hatten stets Geduld mit dem AStA. (...) Auch hier seien stellvertretend für viele Inge Münker und die 'gute Seele der Mensa', Margitta Nöh, genant, denen wir uns besonders verpflichtet fühlen. Gänzlich unmöglich gewesen wäre unsere Arbeit ohne die Unterstützung und das Vertrauen dr Fachschaftsräte, der Autonomen Referate und der Studentischen Initiativen (...). Bedanken möchten wir uns schließlich bei allen Wählerinnen und Wählen, die bei den letzten StuPa-Wahlen ihre Stimme für unsere AStA-Konzeption abgegeben haben. Den übrigen Menschen, die uns und unsere Arbeit unterstützt haben, die wir an dieser Stelle aber nicht alle persönlich ansprechen können, danken wir für ihre Solidarität. (...) Wir verabschieden uns und hoffen, vielleicht ja auch gemeinsam mit Ihnen und Euch, daß die nächsten StuPa-Wahlen im Winter diesen Jahres wieder eine linke Mehrheit und damit auch wieder einen DLL-getragenen AStA hervorbringen."

In diesem Sinne: alles wird eventuell vielleicht wieder gut!

Euer DLL-AStA

[...]

LICHT AUS!

Tschüß, Wiedersehen, Noddah, ciao, arrividerci, adíos, l'hitraot, bye, c'ya, salut, macht's gut, haut rein, bis die Tage, take care, paßt gut auf euch auf, bleibt dran, schaltet wieder ein, möge die Macht mit euch sein, aber hütet euch vor der dunklen Seite!