AStA-Inform    Ausgabe 15    November/Dezember 1997 

Streik?
Gesamtvollversammlung (GVV)
Mittwoch, 3. Dezember
12 Uhr (means 12.00 Uhr oder s. t.!)
StuPa-Raum (neben AStA-Shop)
Infos zur bundesweiten Streikwelle - HRG-Novelle und Studienfinanzierung - Protestaktionen an der GH Siegen - 
Landesweite Demo am 4. Dezember in Düsseldorf


Eine Studi-Protestwelle

surft durch die BRD. Studierende der Justus-Liebig-Uni in Gießen hatten von der materiellen Lage ihrer Hochschule und den daraus resultierenden Studienbedingungen die Nase voll. Kurze Zeit später gab es Aktionen auch an anderen hessischen Hochschulen, schließlich in weiten Teilen der BRD. Soweit, so gut - der Anlaß des Protestes ist AStA-Inform-LeserInnen ja durchaus bekannt, zum Beispiel aus der April-Ausgabe, in der wir zu Aktionen anläßlich der Hochschulrektorenkonferenz in Siegen aufriefen. Auf der bildungspolitischen Tagesordnung stehen immer noch sämtliche Reizthemen; inzwischen hat aber der Entwurf eines neuen Hochschulrahmengesetzes (HRG) die Bund-Länder-Verhandlungshürden genommen. Dabei herausgekommen ist eine Gesetzesinitiative, die beredt vom Einknicken der SPD-regierten Bundesländer Zeugnis ablegt. Weder auf eine grundlegende Reform der maroden BAföG-Regelungen (siehe unten) noch auf das gesetzliche Verbot der Erhebung von Studiengebühren konnten sich die UnterhändlerInnen einigen. Dafür konnten die BildungspolitikerInnen von Union und FDP Erfolge verbuchen. Die Beschlußvorlage zum neuen HRG enthält so nette Dinge wie - die Verkürzung der Regelstudienzeiten um durchschnittlich ein Semester (Uni-Studiengänge nun neun, FH-Studiengänge acht Semester), - die verbindliche Einführung von Zwischenprüfungen, - die Leistungskontrolle nach Abschluß des zweiten Semesters und damit verbunden eine inquisitorische Zwangsberatung zur Studienperspektive, - Einführung der angelsächsischen Abschlüsse Bachelor und Master (das geht einher mit der Diskussion, für die breite Masse nur noch ein Schmalspurstudium zuzulassen und den elitären Rest mit einer "wissenschaftlichen" Zusatzqualifikation auszustatten). - Außerdem sollen sich die Hochschulen marktwirtschaftlich ausrichten und in einen Wettbewerb, z. B. um Studierende, eintreten. Tausend schlimme Dinge; die materielle Situation der Unis wird ebenfalls nicht verbessert, sondern das Drama höchstens durch "erfolgsbezogene Mittelverteilung" (NRW), nichtsnutzige Controlling-Kennzahlen und der Umstellung der Rechnungslegung kaschiert. Tausend gute Gründe also, in die Pötte zu kommen und die eigenen Interessen wahrzunehmen. Kein Grund aber, in Panik und Aktionismus zu verfallen - dabei kommen dann Klöpse heraus wie der unlängst an der FH Frankfurt/M. verfaßte Flugblattspruch "Bildungsnot ist Deutschlands Tod". Daß die Frankfurter Kolleginnen und Kollegen sich damit der Logik bedienen, die sie letztlich den Kopf (bzw. Studienplatz) kosten könnte, ist ihnen offenbar entgangen. Um ähnliche blinde Ausbrüche diffusen Unwohlseins zu vermeiden und inhaltlich fundierte Aktionen zur aktuellen Situation der Hochschulen zu machen, haben AStA und der streikbefürwortende Fachschaftsrat AES beschlossen, zunächst eine Sitzung der Autonomen Fachschaftenkoordination durchzuführen (das ist diese Woche passiert) und auf der Gesamtvollversammlung am 3. Dezember über das weitere Vorgehen zu beschließen. Einen Streik kann man schließlich schlecht von oben verordnen - Streiks sind normalerweise Basisbewegungen. Schön fänden wir's ja, was auf die Beine zu stellen... Auf jeden Fall fahren wir aber gemeinsam zur Demo am 4. Dezember in Düsseldorf. Bitte auf Plakate achten oder die Bandansagen im AStA-Shop beachten.

Ausländische Studierende

haben an der hiesigen Hochschule nicht nur ein Problem. Aber eines stellt sich regelmäßig zu Semesterbeginn: Sie können sich im Winter meist erst im Oktober einschreiben, weil die Hochschule die Zulassungsbescheide Mitte August versendet. Dann muß ein Visum beantragt und die Finanzierung geregelt werden - keine Vorgänge, die nur ein paar Stunden dauern. Aus technischen Gründen kann das Akademische Auslandsamt aber die Studi-Ausweise frühestens drei Wochen nach der Einschreibung ausstellen. Und so lange haben die ausländischen KommilitonInnen kein Semesterticket. Ein Zustand, den wir in den nächsten Vertragsverhandlungen mit VWS und Bahn beenden wollen.

Der Streifschuß: Ungenießbare Kost

Der Bundespräsident versucht in letzter Zeit offensichtlich, seine Frau als prominenteste Köchin auszustechen. Doch im Gegensatz zu ihr, die sich allenfalls in Gesellschaft von Prominenten hin und wieder ein paar Königsberger Klopse leistet, braut der Bundeschefkoch ein ganz anderes Süppchen zusammen. Im Frühjahr hat er das Volk aufgefordert, sich auf die traditionellen Werte zu besinnen, damit es mit Deutschland wieder bergauf geht. Welche Werte das sind, ist klar: Disziplin, Fleiß, Pünktlichkeit und Patriotismus. So weiß selbst der letzte Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, daß er wieder auf etwas stolz sein kann, ohne sich allerdings dafür etwas kaufen zu können. Jüngst hat er nun seine Rezeptur zur Bildungspolitik vorgestellt. Doch was man landauf, landab als Meisterwerk der nouvelle cuisine gefeiert hat, entpuppt sich bei näherem Hinsehen schnell als altdeutsches Allerlei. Zutaten sind die derzeitigen Klassiker wie Wettbewerb unter Schulen und Hochschulen, Deregulierung, mehr Leistung und mehr Effizienz. Verfeinert hat der Koch die Brühe mit den altbekannten Werten, die in den Bildungsinstitutionen zu vermitteln seien, damit das deutsche Bildungssystem endlich wieder die Nummer Eins in der Welt werden könne. Abschließend werden noch reaktionäre Begabungstheorien beigemengt, die spätestens seit den siebziger Jahren überholt sein dürften. Fest steht: Herzogs Reformkost ist ungenießbar. Einzig und allein bleibt zu fragen, warum die derart verquasten Vorstellungen Herzogs überhaupt ernst genommen werden. Mahlzeit!

Unklar

Unklar ist derzeit die Zukunft des BAföG. Obwohl Bund und Länder allenthalben "Reformstaus" bei der Ausbildungsförderung ausgemacht haben, scheint eine Stau-Auflösung im Moment nicht in Sicht. Zwei Modelle werden diskutiert: das Bayern-Modell, das von der Bundesregierung bevorzugt wird, beinhaltet eine relativ geringe Aufstockung der Förderungssumme verbunden mit vermehrten Leistungsnachweisen. Das fortgeschriebene Drei-Körbe-Modell, auf das sich die SPD- regierten Länder kaprizieren, sieht eine stufenweise Förderung vor. Aus dem ersten Korb sollen die Studierenden ca. 400 DM erhalten, aus dem zweiten Korb einkommensabhängig 400 DM als Darlehen und bei "besonderer Bedürftigkeit" weitere 350 DM als Zuschuß. Der letzte Korb ist die Studienabschlußförderung, die maximal zwölf Monate als unverzinstes Volldarlehen gewährt wird. Beide Modelle haben, so unterschiedlich sie auch sind, eines gemeinsam: Sie sollen nichts kosten. Aus diesem Grund haben sich die Finanzminister von Bund und Ländern darauf verständigt, das BAföG zum großen Teil aus Kindergeld und Einkommensfreibeträgen zu finanzieren. Parallel dazu hat die Bundesregierung jetzt schon mal vorsorglich die Höhe der Finanzierung des BAföGs von 2,1 Milliarden auf 1,5 Milliarden DM heruntergefahren. So erzeugen sich Reformstaus ganz von selbst. Dabei ist allerdings eines klar: Kommen Bund und Länder nicht in absehbarer Zeit zu einer Regelung, wird es das BAföG in fünf Jahren nicht mehr geben. Und dann muß jeder sehen, wie er klarkommt.

Wahlen

zum Studierendenparlament (StuPa) und den Fachschaftsräten finden jetzt doch nicht mehr im Dezember, sondern erst im Januar statt. Wahltermin ist die Woche vom 26. bis 30. Januar 1998. Grund für die Verspätung: Die oppositionellen Listen waren erst ganz gar spät in der Lage, ihre Plätze im Wahlausschuß zu besetzen. Ausgeschieden aus dem AStA ist das Ex-Küken (ja, sie war mal die Jüngste!) Sandra Hildebrandt, nach zusammenhängenden Amtsperioden die Dienstälteste. Wir verabschieden uns und drücken ihr unsere vielen Daumen. Die Nachfolge hat Steffen Chemnitz, Aktiver des Fachschaftsrats 12, angetreten. Na denn!

Der Prozeß

gegen einen 26jährigen totalen Kriegsdienstverweigerer fand am 10. November vor dem Landgericht Siegen statt. Angeklagt war er wegen Verstoßes gegen § 14 Wehrpflichtgesetz. Das Urteil lautete auf zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, zusätzlich zu 3000 DM Geldstrafe. Warum Totalverweigerung, man könnte es doch viel einfacher haben? In der BRD gibt es aber kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung, sondern lediglich ein Recht auf Waffendienstverweigerung (Art. 4 Abs. 3 Grundgesetz). Mit dem Zivildienst erfüllen also anerkannte Wehrdienstverweigerer ihre Wehrpflicht (§ 3 Abs. 1 WPflG). Zivildienst ist Kriegsdienst! Zudem liegt es auf der Hand, daß dieser Dienst nur dazu bestimmt ist, die Bundeswehr als ein auf der allgemeinen Wehrpflicht beruhendes Verteidigungsinstrument zu erhalten. Denn ohne den Zivildienst würde die Bereitschaft der Wehrpflichtigen schnell zurückgehen, ihren Dienst bei der Bundeswehr zu leisten. Im übrigen unterliegen auch Zivis im sogenannten "Verteidigungsfall" Regelungen, die ihren Einsatz an der Heimatfront betreffen.

Antifa

Am 8. November fand der 1. Antifaschistische SchülerInnenkongreß im Alten Feuerwehrhaus in Kreuztal statt. Rund 70 TeilnehmerInnen konnten von den VeranstalterInnen begrüßt werden. Nach einem Tag voller Diskussionen rundete eine Fete im VEB das Ganze ab. Schön zu wissen, daß es auch im Siegerland noch Leute gibt, die von ihrem Recht auf Einmischung Gebrauch machen wollen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurde ein Brandanschlag auf das Gebäude des VEB verübt; verschiedene Einzelheiten legen den Schluß nahe, daß es sich um ein Attentat von Neonazis handelte.

Service-Ecke

Öffnungszeiten - AStA-Büro: Mo-Fr von 9.00 bis 16.30 Uhr; AStA-Shop: Mo-Fr von 9.30 bis 14.30 Uhr; Sozialberatung: Di-Fr von 9.00 bis 12.00 Uhr und nach Vereinbarung. Aushangbretter des AStA: AR-H zwischen Arbeitsamt und FSR 6/7; AR-D neben dem roten Hörsaal; AVZ im Innenkern, Ebene 3; PB im Foyer. Post an: AStA der Gesamthochschule, 57068 Siegen. Hausanschrift: Adolf-Reichwein-Str. 2, 57076 Siegen (AR-H 215). Tel. (02 71) 7 45 28 & 7 37 82, Fax 7 39 37. Haustel. 4600 & 4601. E-Mail: asta@studm.hrz.uni-siegen.de