AStA-Inform Ausgabe 11 Mai/Juni 1997
Guten!
Sommer, Sonne - mehr oder weniger jedenfalls. Kein Mensch hat besondere
Lust, Schriftliches von sich zu geben, an Referaten zu arbeiten oder sich
ein AStA-Inform aus den Fingern zu saugen. Daß diese Ausgabe trotzdem
früher als gewohnt das Licht der Welt erblickt, liegt auch nicht etwa
daran, daß AStA-Inform demnächst alle zwei Wochen erscheinen
soll, sondern hängt schlicht und ergreifend mit der vielbeklagten
Kürze des Sommersemesters zusammen. Schließlich sollt Ihr nicht
uninformiert in die vorlesungsfreie Zeit zum Arbeiten, Klausurenschreiben,
Hausarbeitenbasteln und - hoffentlich - Urlauben entlassen werden. Ausgabe
12 erscheint deshalb schon Ende Juni, trotz des Penners, der mal wieder
unseren Auslagekasten im AVZ mit nach Hause geschleppt hat und trotz der
im AStA-Büro stetig schwelenden Auseinandersetzung um die richtige
Musikauswahl ("Du und Deine Knüppelmucke!" - "Böh, Technoscheiß!").
In diesem Sinne - Euer AStA
Sparen
müssen wir alle. Das jedenfalls prügeln uns PolitikerInnen aus
allen Ecken täglich aufs Neue ein, und das gilt gerade dann, wenn
es um öffentliche Knete geht. Sparen muß vor allem die Hochschule,
insbesondere bei allem, was mit Personal, Kapazitätsausbau oder Bibliothek
zusammenhängt. Ganz dem Sparen verpflichtet fühlte sich offenbar
auch der Kanzler der hiesigen Hochschule, als er kurz vor der alljährlichen
Haushaltssperre und anläßlich der HRK-Jahrestagung in Siegen
neue Stühle fürs AudiMax anschaffen ließ. Den zugehörigen
Marktpreis bei Abnahme von fünf Stück und mehr konnte der Fachschaftsrat
1 (2) - 4 bei einer im hiesigen Raum ansässigen Büromöbelfirma
in Erfahrung bringen: 373,80 DM pro Stück, plus Märchensteuer
versteht sich, abzüglich 2 % Skonto, frei Haus, geradezu ein Spottpreis.
Dafür gab's dann aber auch ein pulverbeschichtetes Gestell, Armlehnen
und den von menschlichen Abgasen leicht zu reinigenden Stoffbezug der Größe
1. Um der menschlichen Abgase nicht allzu viele in den properen Stoffbezug
Größe 1 geraten zu lassen, stehen die Sonderangebotsstühle
im Keller und harren der Rektoren, die da noch kommen mögen. Die Studis
dürfen stattdessen mit den Stuhlexemplaren Vorlieb nehmen, die es
bis jetzt auch immer noch getan haben. Vielleicht darf Siegen so in 25
Jahren wieder eine HRK-Tagung ausrichten. Bis dahin kann man sich mit folgendem
Rechenexempel beschäftigen, an dem auch der Landesrechnungshof Spaß
haben könnte: 200 Stühle x 373,80 DM x 1,15 x 0,98. Vielleicht
gab's ja auch Großabnahmerabatt, dann wird's billiger. Trotzdem:
Sickness bag under your seat. 'n bißchen teurer wird das Semesterticket,
und zwar um 40 Pfennige pro Semester. Für 91,75 DM könnt Ihr
im WS 1997/98 und im SoSe 1998 weiterhin alle Busse und viele Bahnen im
Geltungsbereich benutzen. Neuer Vertragspartner ist jetzt auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund
(RMV), so daß die Gültigkeit des Tickets bis Dillenburg nun
völlig geklärt ist. Weiter verhandelt wird momentan die direkte
Busanbindung von Geisweid zur Hochschule. Ein neues Sorgenkind tut sich
mit dem Umzug der Fachbereiche 6 und 7 zum Emmy-Noether-Campus auf. Auch
da bleiben wir am Ball.

Primis
würden Mäuse kaufen. Das glaubte der AStA jedenfalls, als es
ans Bestellen der neuen Maus-Kollektion (Tigerenten gibt's erst demnächst)
für den AStA-Shop ging. Weit gefehlt - die KäuferInnenstatistik
weist bei weitem nicht nur Primis und AESlerInnen aus: Gestandene BWLers,
Magisterstudis und Leute aus der PB-Ecke kauften das Zeug wie verrückt,
was zu kurzfristigen Lieferengpässen führte. Nächste Primi-Party
in Sicht - "haste meinen Mausblock schon gesehen"?
Lerneffekt
Gelernt hat unsere Opposition im StuPa. Nachdem wir in AStA-Inform Nr.
10 höflich anfragten, ob die Jungs und Mädels von den anderen
Fraktionen denn nicht doch in der Lage wären, RechnungsprüferInnen
zu benennen, gab es auf der 3. StuPa-Sitzung am 13. Mai eine Überraschung:
Zwei an Lenzen junge, aber nicht unerfahrene Menschen (deren letzter Einsatz
an dieser Hochschule höchstens elf Jahre her ist), wurden prompt gewählt.
Nochmal Arbeit
Biotop Hochschule: Das gibt's, denn die Hochschule ist in vielen Dingen
ein Raum, in dem es nicht auf Staatsangehörigkeit und Farbe des Reisepasses
ankommt. Das gilt jedenfalls für die Wahlen zu den Gremien und zu
den Organen der Studierendenschaft. Das gilt nicht für die Bleiberechtspraxis
per Ausländergesetz und faktisch abgeschafftem Asylrecht. Das galt
aber wiederum für die studentische Arbeitsvermittlung ("Servis").
Ganz richtig: galt. Mit der 1995 beschlossenen Novelle des Arbeitsförderungsgesetzes
wird den Arbeitsämtern, so auch der Siegener Studi-Vermittlung, ein
merkwürdiges Auswahlverfahren aufs Auge gedrückt. Freie Stellen
sind nach Möglichkeit ausschließlich deutschen ArbeitnehmerInnen
zur Verfügung zu stellen. Das geht dann so: Bevorrechtigt sind Deutsche,
EU-BürgerInnen und AusländerInnen mit besonderer Arbeitserlaubnis,
Aufenthaltsberechtigung oder unbefristeter Aufenthaltserlaubnis. Nicht
bevorrechtigte Arbeitnehmer sind alle anderen, dazu gehören auch ausländische
Studierende. Um den privilegierten Staatsangehörigen und Statusgruppen
die entsprechenden Jobs zu verschaffen und die nicht Bevorrechtigten von
genau diesen Jobs fernzuhalten, hat sich der Gesetzgeber einiges einfallen
lassen. Grundsätzlich gilt, daß Stellen mindestens vier Wochen
lang ausgeschrieben werden müssen, ehe sie mit nicht bevorrechtigten
Arbeitssuchenden besetzt werden dürfen. Dabei sind die Arbeitsämter
und die Firmen, die die Stellen auschreiben, angehalten, alles zu tun,
um zunächst Deutschen diese Arbeit zu verschaffen. Es nützt also
nichts, wenn der ausländische Studierende sich selbst eine Stelle
sucht: Er bekommt sowieso keine Arbeitserlaubnis - die Stelle muß
erst vier Wochen lang vergeblich ausgeschrieben sein. Ebenso sinnlos ist
es, wenn der Chef die ausländische Kommilitonin "anfordert"; die Stelle
muß erst... - aber das hatten wir schon. Ähnliches gilt für
die Verlängerung der Arbeitserlaubnis, denn hier, so die Gesetzeslage,
ist im Einzelfall zu prüfen, ob der Arbeitsmarkt sich nicht vielleicht
doch noch einen Arbeitnehmer mit korrektem Paß aus dem Ärmel
zaubert. Eine Ausnahme wird dabei nur für Fotomodelle gemacht. Vermutlich,
weil auch BRD-Werbeagenturen nicht auf Naomi Campbell verzichten wollen.
Daß in der angespannten Arbeitsmarktsituation, in der es für
ausländische Studierende eh schon schwer genug ist, eine Stelle zu
finden, wenn überhaupt, nur noch die Scheißjobs übrig bleiben,
versteht sich damit von selbst. Eine andere Frage, mit Blick auf die Hochschulsituation:
Ist dies der Beitrag der Bundesregierung zur Internationalisierung der
Hochschulen? Dann wird demnächst mit "Rentenpolitik" wohl das Verhungernlassen
alter Menschen umschrieben.
Dr. Bernd-Thomas Ramb
ist außerplanmäßiger Professor für Volkswirtschaftslehre
an der hiesigen Hochschule, wenn man dem aktuellen Vorlesungsverzeichnis
Glauben schenken darf. Schenkt man der Internet-Seite http://www.rrze.uni-erlangen.de/~sz0794/
referenten.html ebenfalls Glauben, soll Ramb (Mitbegründer und Präsidiumsmitglied
des "Bund freier Bürger - Die Freiheitlichen") am 17. Juli als Referent
bei einer Vortragsreihe der Burschen Frankonia zu Erlangen auftreten. Thema
seines Referats wird "Die Europäische Währungsunion" sein. Nachdem
besagte Burschenschaft auf demselben Webserver (/bfgrund2.html) meint,
sie stehe "zu Deutschland als der unvergänglichen Heimat - eben zu
unserem Vaterland -, dem wir uns nicht versagen dürfen. Und das nicht
[...] aus Fanatismus, sondern aus vernünftigem Pragmatismus [...].
Auch wir stehen zu einem Europa gleichberechtigter Vaterländer. Einen
Einheitsbrei wollen wir aber nicht, er nimmt jedem Land das Eigene, seine
typische Form und seine charakteristisches Wesen", dürfte die inhaltliche
Ausrichtung des Vortrags schon jetzt bestimmbar sein. Am deutschen Wesen
möge schließlich die Welt genesen. Ramb befindet sich mit seiner
Teilnahme an der Veranstaltungsreihe in der Gesellschaft reichlich braun
schillernder Funktionäre. So ist der Bundesvorstand der "Republikaner"
mit Kurt E. Goldmann ("Der Wirtschaftsstandort Deutschland aus Sicht der
REPUBLIKANER"), vertreten; das rechtsextremistische "Thule-Seminar" schickt
den Vordenker der Neuen Rechten Pierre Krebs ("Geistesgegenwart der Zukunft
in der Morgenröte des Ethnos").
Immerhin 1,7%
aller Studentinnen und Studenten haben an den Wahlen zu den hochschulweiten
Gremien, Senat und Konvent teilgenommen. Das sind nicht viel, doch haben
die meisten davon - hier sind wir etwas parteiisch - eine gute Wahl getroffen.
Alle studentischen Mitglieder des Senats, das sind vier, gehören der
AStA-Liste "DLL" oder den "Unabhängigen" an, von sieben studentischen
VertreterInnen im Konvent stellen die AStA-tragenden Listen immerhin sechs.
Als siebte wurde Andrea Siebel vom RCDS gewählt. Den neuen Mitgliedern
kommt nun die Aufgabe zu, eine/n neue/n RektorIn zu wählen und studentische
Interessen in die Gremien einzubringen. Für diese Aufgabe wünschen
wir den Gewählten viel Erfolg. Für eine größere Wahlbeteiligung
im nächsten Jahr sehen wir allerdings ziemlich schwarz, da sich das
Ministerium für Wissenschaft und Forschung aufgrund der angespannten
Haushaltslage nach wie vor weigert, Waschmaschinen und Flugreisen unter
den Wählerinnen und Wählern zu verlosen. Auch die billigere Variante,
die wir der Ministerin vorgeschlagen haben, nämlich die Gremien paritätisch
zu besetzen, um allen Statusgruppen endlich gleiche Durchsetzungschancen
einzuräumen, scheint derzeit nicht durchsetzbar. Trotzdem schlagen
wir der Hochschule vor, die Urnen nicht so zu verstecken, daß sie
kein Mensch findet. Denn Ostern ist eigentlich schon lange vorbei, und
eiförmig waren die Behältnisse auch nicht.
Liebe Bea!
Aus der Mai-Nummer des Hochschulmagazins "unicum" haben wir erfahren, daß
es Dir mittels einer pfiffigen Geschäftsidee gelungen ist, Dein Studium
zu finanzieren. Als Aktiengesellschaft läßt Du Dir von Anteilseignern
Dein Studium bezahlen, die Rendite ist abhängig von Deinem späteren
Job. Nun ist es ja nicht neu, daß Studierende als Werkstück,
die AbsolventInnen als Produkt oder als Kunden betrachtet werden - aber
als AG, das gab es tatsächlich bisher noch nicht. Du bietest verschiedene
Aktien an, namentlich die "Sympathisanten-Aktie" zu 50 DM, die "Investor-Aktie"
zu 250 DM und last but not least die "Gourmet-Aktie" für stolze 500
Tacken. Ob Du da nicht ein bißchen viel Appetit geweckt hast, fragen
wir uns. Gerade in Zeiten, wo durch mehr oder weniger feindliche Übernahmen
ganze Konzerne geschluckt werden. Und wenn Du auf Deiner Aktionärsversammlung
beichten mußt, daß Du zum zweiten Mal in Mathe durchgerasselt
bist, dürfte der Kurs gewaltig in den Keller gehen. Aber dann kaufen
wir uns eine Mehrheit an Dir. Mit der Folge, daß wir Dich bei weiterem
Prüfungsversagen wahlweise outsourcen oder aber die Produktion in
ein beliebiges Land mit Niedrigpreisniveau verlagern können. Bringt
uns eine höhere Dividende und gibt anderen Gecken ein abschreckendes
Beispiel.
Service-Ecke
Öffnungszeiten - AStA-Büro: Mo-Fr von 9.00 bis 16.30 Uhr; AStA-Shop:
Mo-Fr von 9.30 bis 14.30 Uhr; Sozialberatung: Di-Fr von 9.00 bis 12.00
Uhr und nach Vereinbarung. Aushangbretter des AStA: AR-H zwischen Arbeitsamt
und FSR 6/7; AR-D neben dem roten Hörsaal; AVZ im Innenkern, Ebene
3; PB im Foyer. Verantwortlich für den Inhalt: Marc Neumann, Matthias
Streif. Post an: AStA der Gesamthochschule, 57068 Siegen. Hausanschrift:
Adolf-Reichwein-Str. 2, 57076 Siegen (AR-H 215). Tel. (02 71) 7 45 28 &
7 37 82, Fax 7 39 37. Haustel. 4600 & 4601. E-Mail: asta@studm.hrz.uni-siegen.de,
Web-Page haben wir erst demnächst.